KriminachtKriminacht in Wien

Am 18. Oktober gab sich die Nationalliga der österreichischen Krimiautoren in Wien anlässlich der 12. Ausgabe der Kriminacht ein Stelldichein. Die Auswahl der in den 40 Wiener Kaffeehäusern lesenden Autoren fiel einem Krimifan natürlich nicht leicht. So hätte ich mir gerne auch die Lesung von Jenifer B. Winds aus »Als der Teufel erwachte« angehört. Dies ging sich leider logistisch nicht aus, denn ich hätte mich dafür vom Café Jonas ins Hotel Imperial beamen müssen, um an der Lesung von Petra K. Gungl teilnehmen zu können.

 

Diabolisches Spiel

diabolisches_spielDie Lesung erfolgte aus ihrem neuesten Werk »Diabolisches Spiel«, in dem es einerseits um kriminelle Machenschaften in der Pharmabranche, andererseits auch um transpersonale Aspekte geht. Wie der Autorin der Spagat zwischen der rationalen Welt der Gegenwart und dem England des 14. Jahrhunderts gelingt, werde ich hier nicht verraten – ich will ja ihr Buch durch Spoilern zerstören. Nur soviel sei gesagt: er gelingt!

Die Lesung begann mit einer anfangs nervösen Autorin, die ihr Lampenfieber mit einer etwas zu langen Einleitung über den Background der Story bekämpfte. Als Petra K. Gungl den ersten Auszug und das übersinnliche Geheimnis der Protagonistin präsentierte, wich die Bühnenkrankheit von ihr. In der Folge steigerte die Schriftstellerin sich von Szene zu Szene. Immer wieder zeigten sich die hervorragenden sprachlichen Pointen in ihrem Text. Als Beispiel dafür zitiere ich folgenden Ausschnitt aus ihrem Roman, der bei dieser Lesung präsentiert wurde:

»Mein größter Wunsch wäre, Backgroundsängerin von Simply Red zu sein«, sinnierte sie, während sie mit verträumten Blick die Tickets betrachtete.

»Agnes?«

»Was ist?«

»Ich habe dich singen gehört.«

»Ja und?«

»Du bist eine gute Juristin, bleib’ dabei.«

»Was denn?«, sie zog die Augenbrauen zusammen, »vielleicht singe ich nicht so besonders, aber keiner übertrifft mich in der Inbrunst, mit der ich die Songs interpretiere.«

»Das ist allerdings richtig.« Siebert schmunzelte, und Agnes versetzte ihm lachend einen Tritt unter dem Tisch.

»Keine Angst, die Gefahr, dass ich Backgroundsängerin bei Simply Red werde, ist so groß, wie dass Putin in den USA um Asyl ansucht.«

Abschluss eines gelungenen Abends:

petra_k_gunglZum Abschluss der Lesung lieferte Petra K. Gungl uns einen spannenden und mitreißenden Mord des Antagonisten an seinem Assistenten, der Lust auf das diabolische Spiel macht. Nach der Lesung habe ich den Roman Diabolische List von derselben Autorin gekauft und ihn signieren lassen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich ein höchst interessantes Gespräch über Spiritualität und den Buddhismus führen. Dabei erfuhr ich, dass Petra K. Gungl einen weiteren Thriller aus dieser Serie plant. Dennoch wird es noch ein Weilchen bis dahin dauern – beim aktuellen Projekt plant die Autorin ein neues Thema zu bearbeiten und völlig andere Figuren zu erschaffen. Der neue Krimi spielt zur Adventzeit in Wien und wird im Oktober 2017 erscheinen.