WriteIn im Café Benno:

Am 11. Dezember 2016 traf sich die Selbsthilfegruppe der Schreibabhängigen im Wiener Traditionscafé Benno zum WriteIn, um danach die Buchmesse der Kleinverlage, das Buchquartier, zu besuchen. Nach einem netten Plausch mit den Kollegen arbeiteten wir kurz an unseren Projekten. Dabei besprachen meine neue Version des Exposés zum Todesernst. Zu meiner Erleichterung entdeckte die Gruppe keine groben Fehler.  Dennoch fand die professionelle Lektorin Annette Scholonek noch einige Verbesserungspotenziale, an denen ich zurzeit arbeite.

Willkommen im Buchquartier

Willkommen im BuchquartierDanach machten wir uns auf den Weg zur Buchmesse im Museumsquartier. Zunächst hegte ich  keine sonderlich hohen Erwartungen, womit ich  im positiven Sinne enttäuscht wurde. Beim Buchquartier handelt es sich um eine Messe für Kleinverlage und Unabhängige. Natürlich zog die Veranstaltung auch manch Fragwürdiges an wie jenen Verlag, der eine krude Interpretation der Immunologie herausgab. Im Gespräch mit der Verlegerin dieses Werks stellte sich klar die typische alternativmedizinische Sichtweise heraus, dass halt die innere Einstellung die Krankheit verursache. Dass diese Meinung erstens wissenschaftlich nicht haltbar und zudem jedem Kranken die Schuld aufbürdet, dürfte dieser Dame egal sein. Also schnell weiter zu positiven Erscheinungen dieser kleinen Buchmesse.

Es gibt viele seriöse Kleinverlage.

Die erste positive Überraschung war, dass ich hier keinen unseriösen Druckkostenzuschussverlag angetroffen habe. Die zweite gute Nachricht war, dass dort sehr viele seriöse Kleinverlage ausgestellt haben. Im Unterschied zu den verkappten Selfpublishern liegt darin, dass diese Verlagshäuser erstens fremde Werke publizieren und zweitens zwar ein kleines, aber feines und vor allem ein klar abgegrenztes Verlagsprogramm führen. Die dritte große Überraschung war die hohe Anzahl an Verlagen, die sich auf die E-Literatur fokussiert haben. Entgegen meiner Meinung dürfte es einen größeren Markt für die hohe Literaturkunst geben und diese Werke zumindest gekauft werden.

Beispiel eines seriösen Kleinverlags – Federfrei

Mit dem Inhaber des Federfrei – Verlages konnte ich ein interessantes Gespräch über das Leben eines Verlegers führen. Dieser Kleinverlag hat sich vor allem auf österreichische Regionalkrimis spezialisiert. So führte Herr Wolfgang Mayr aus, dass es für einen Kleinverlag sehr schwer ist, sich im deutschen Markt durchzusetzen, zumal die großen Verlagshäuser über ein wesentlich größeres Werbebudget verfügen.

Hauptautor dieses Hauses ist Günther Zäuner und die Prophetin des Todes von Helga Weinzierl hat mich derart angesprochen, dass ich es umgehend vom Verlagstisch abgekauft habe.  Dabei geht es um einen Mord in Esoterikerkreisen, der von einer angeblichen Hellseherin prophezeit worden ist. Es steht auf meiner Leseliste und ist an der Reihe, sobald ich mit der Lektüre des Jesus-Deals von Eschbach fertig bin.

 

Wie läuft es mit den Manuskripten?

Nina Dreist führte parallel ein Gespräch mit dem Verlag nebenan, wobei ich später dazu stieß. Diese Unterhaltung drehte sich um den Umgang eines Kleinverlages mit unverlangt eingesandten Manuskripten.

Pro Woche erhält dieser Verlag etwa zwei bis fünf Manuskripte pro Woche, also zwischen 100 und 300 jährlich. Der Bastei-Lübbe-Verlag erhält pro Jahr etwa 6000 Manuskripte. Natürlich bekommt ein Kleinverlag deutlich weniger Angebote und diese haben meist nicht die nötige Qualität, sodass sie bereits bei der ersten Seite scheitern. Diese Verlegerin legt nicht sonderlich viel Wert auf das Exposé, zumal gute Exposés nicht immer gute Romane versprechen – für sie muss der Roman überzeugen.

Nach der Auswahl guter Manuskripte geht es immer wieder in die Diskussion mit dem Verlagsteam. Hier wird oft aus drei guten Einsendungen ein exzellentes Manuskript ausgewählt, das vom Verlag zum Buch gemacht wird.

Und wenn es nicht klappt?

Man erhält eine Absage und diese lautet in der Regel: »Vielen Dank für ihr Manuskript, aber leider passt ihr Werk nicht in unser Programm.« Weicht die Absage von diesem Standardtext ab, so hat man zumindest die Hürde genommen. Je individueller eine Absage wird, desto tiefer ist es in den Auswahlprozess gestoßen. Wenn man mit seinem Text im Finale ausscheidet, so bekommt man bereits eine gute, individuelle Absage. Egal, was in so einem Text steht, es ist bereits ein Grund zur Freude.