Der tragische Amoklauf von Winnenden

Der tragische Amoklauf vom 11. März 2009 hat Winnenden und Wendlingen schwer erschüttert.

Am frühen Morgen drang der wahnsinnige Täter in die arme Albertville-Realschule ein und schoss einfach so wahllos um sich. Zehn Personen erlagen dort ihren tödlichen Verletzungen. Als der irre Mörder die alarmierte Polizei sah, ergriff er hastig die Flucht. Auf dem Grundstück der benachbarten Psychiatrie ermordete der junge, siebzehnjährige Schüler mit seiner väterlichen Pistole kaltblütig einen vorbeigehenden Passanten.

Später zwang er einen ahnungslosen Autofahrer, ihn rasch über die Autobahn nach Wendlingen zu bringen. Vor einer Kontrollstelle der Polizei schaffte es die geschockte Geisel, dem feigen Täter zu entkommen. Er rennt schnell in ein großes Autohaus, fordert dort heftig ein schnelles Auto, das er aber nicht kriegt. Daraufhin erschießt er zwei unschuldige Leute und bemerkt die Polizei. Es gibt eine wilde Scheißerei, bis der irre Amokläufer von einem hervorragenden Schützen am linken Bein getroffen wird. Dann richtet sich der Täter selbst.

Am Tag nach der schrecklichen Katastrophe legten Tausende schöne Blumen vor der betroffenen Schule ab und zeigten ihre tiefe Trauer mit roten Grabkerzen. Der tragische Amoklauf hat dazu geführt, dass die verstörten Bürger der Stadt Winnenden am Tag danach der unschuldigen Opfer in einem würdigen Trauergottesdienst.

Der tragische Amoklauf als Beispiel schwerer Adjektivitis

Haben Sie es bis zum Schluss geschafft? Wenn nicht, würde es mich nicht überraschen. In den obigen Zeilen geht es nicht um nur um einen Amoklauf, auch der Text ist einer. Wahllos habe ich mit Eigenschaftswörtern herum geballert, ohne den Zeilen auch nur ein Fünkchen an zusätzlicher Information zu geben. Das Verkraften der unnötigen Adjektive und Adverbien musste jedem Leser Kopfschmerzen bereiten. Schauen wir uns das genauer an:

Jeder Amoklauf ist tragisch

Jeder Amoklauf hinterlässt Tote und ist somit tragisch. Die Tragik ist bereits im Wort Amoklauf enthalten. Ein Amokläufer ist kein normaler, in sich ruhender Mensch. Daher ist die Information, er wäre wahnsinnig bzw. irre, nicht notwendig. Natürlich verdient jede von einem Amoklauf betroffene Schule unser Mitgefühl. Daher müssen wir das nicht im Text extra mit dem Adjektiv ›arm‹ einfordern. Die Behauptung, er hätte wahllos um sich geschossen, ist ebenfalls unnötig, denn willkürliches Töten ist das Wesen eines Amoklaufs.

Wenn ein Mensch seinen Verletzungen erliegt, waren diese natürlich tödlich. Wir haben somit wieder ein Blähwort ohne Informationsgehalt. Dass die Polizei alarmiert wurde, ist selbsterklärend. Auch dieses Adjektiv kann man streichen. Die Flucht wird zudem immer hastig ergriffen. Sonst wäre es keine Flucht. Jeder Siebzehnjährige, sofern er nicht an Progerie leidet, ist jung. 

Können Sie langsam rennen? Ich nicht. Rennen beinhaltet schnelles Laufen, damit ist auch dieses Adjektiv überflüssig wie ein Kropf. Jede Schießerei ist wild, jede Katastrophe schrecklich und jede Grabkerze rot. Dass die Einwohner Winnendens am Tag nach dem Amoklauf verstört waren, ist ebenfalls selbsterklärend.

Es gibt keine väterlichen Pistolen

Keine Pistole der Welt kann väterlich sein, sondern die Waffe kann dem Vater gehören. Das vorbeigehend ist bereits im Wort Passant enthalten. Folglich ist auch dieses Eigenschaftswort überflüssig. Dass der Täter den Passanten kaltblütig erschossen hat, liegt ebenfalls im Wesen einer Amoktat.

Hüte dich vor voreiligen Bewertungen

Adjektive zeigen meist voreilige Bewertungen an. Natürlich war der betroffene Autofahrer, den der Amokläufer als Geisel genommen hat, ahnungslos; sonst wäre er ein Hellseher oder schlimmer noch ein Komplize des Massenmörders. Die geschockte Geisel und der feige Täter sind Bewertungen des Autors. In Wahrheit kann er das nicht wissen, sondern nur annehmen. Man kann dem Autor unterstellen, er würde um Anerkennung beim Leser heischen, da er glaubt, jeder würde dem Mörder Feigheit und einer Geisel den Schock unterstellen. im Zusammenhang mit der Geisel begibt er sich logisch auf ein sehr gefährliches Terrain. Befindet sich jemand im Schock, bedeutet dies in der Regel Lähmung. In diesem Fall wäre es der Geisel nie im Leben gelungen, dem Täter zu entwischen.

Adjektive sind Gewürze

Wenn man eine Suppe zubereitet und ein Kilo Salz in den Topf leert, wird die Suppe ungenießbar. Mit den anderen Gewürzen verhält es sich ebenso. Genauso betrachte ich Adjektive und Adverbien. Es handelt sich um Gewürze, die einem Text eine Note geben sollen

Wenn man einen Text überarbeitet, so sollte man jedes Eigenschaftswort genau unter die Lupe nehmen? Hat man es mit einem weißen Schimmel, einer schrecklichen Katastrophe oder einem tragischen Amoklauf zu tun? Wenn ja, dann weg damit! Der Text kann so nur gewinnen.

In den meisten Fällen trägt das Eigenschaftswort nichts zur Information bei. Man kann oft das Adjektiv durchstreichen und prüfen, ob sich der Text leichter und flüssiger liest. So gut wie immer ist das der Fall. Adjektive haben dann und nur dann ihre Berechtigung, wenn sie dem Hauptwort eine besondere Note geben. Im Beispiel oben dürfen die Eigenschaftswörter benachbart und hervorragend stehen bleiben. Die benachbarte Psychiatrie liefert die Information, dass die psychiatrische Anstalt Winnendens neben der betroffenen Albertville Real Schule liegt. Der hervorragende Schütze verrät uns, dass der Treffer in das Bein des Täters kein Zufall war.

Die überarbeite Version

Der Amoklauf vom 11. März 2009 hat Winnenden und Wendlingen  erschüttert.

Am Morgen drang der Täter in die Albertville-Realschule ein und schoss um sich. Zehn Personen erlagen dort ihren Verletzungen. Als der Mörder die Polizei sah, ergriff er die Flucht. Auf dem Grundstück der benachbarten Psychiatrie ermordete der Siebzehnjährige mit der Pistole seines Vaters einen Passanten.

Später zwang er einen Autofahrer, ihn über die Autobahn nach Wendlingen zu bringen. Vor einer Kontrollstelle der Polizei schaffte die Geisel, dem Täter zu entkommen. Der Mörder rennt in ein Autohaus, fordert dort ein Auto, das ihm verweigert wird. Daraufhin erschießt er zwei Menschen. Als er die Polizei bemerkt, kommt es zu einer Scheißerei mit den Ordnungskräften.  Während des Schusswechsels trifft der hervorragende Polizeischütze den Amokläufer am Bein. Daraufhin richtet sich der Täter selbst.

Am Tag nach der Katastrophe legten Tausende Blumen vor der betroffenen Schule ab und drücken ihre Trauer mit Grabkerzen aus.  Am Tag danach gedachte die Stadt Winnenden der Opfer in einem Trauergottesdienst.

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