24. Dezember

Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen,
die dem Leben seinen Wert geben.

Wilhelm Freiherr von Humboldt
(1767 – 1835)

Nicht nur in Graz, so gut wie in jeder größeren Stadt im deutschsprachigen Raum gibt es eine Humboldtstraße. Wilhelm Freiherr von Humboldt hatte das Bildungswesen nachhaltig bis heute geprägt. Die dreistufige Gliederung der Schullaufbahn in Volksschule, Mittelschule (Gymnasium) und Hochschule (Universität) verdanken wir ihm. Auch Humboldt sprengt den Rahmen des Adventskalenders und des Blogs bei weitem.

In seiner Jugend fiel Humboldt dadurch auf, dass er mit seinem überdurchschnittlichen Lerneifer Sorgen bei seinen Angehörigen auslöste. Im Alter von 13 Jahren beherrschte er Griechisch, Latein und Französisch und war mit den Autoren der jeweiligen Literatur vertraut. Ab 1785 verkehrten die Gebrüder Humboldt in aufklärerischen Kreisen. Nach dem Willen seiner Mutter war Wilhelm für das Studium der Rechtswissenschaften auserkoren, während Alexander die Staatslehre studieren sollte. Humboldt folgte jedoch bald eigenen Ideen und widmete sich weniger der Jurisprudenz, sondern den Sprachen und der Geschichte. Eine Bildungsreise führte ihn im Sommer 1789 in das revolutionäre Frankreich, wobei er sowohl die verfassungsgebende Nationalversammlung als auch die soeben gestürmte Bastille besuchte. Darüber notierte er:

 

“Alle Laster entspringen beinah aus dem Missverhältnis der Armut gegen den Reichtum. In einem Lande, worin durchaus ein allgemeiner Wohlstand herrschte, würde es wenig oder gar keine Verbrechen geben. Drum ist kein Teil der Staatsverwaltung so wichtig als er, welcher für die physischen Bedürfnisse der Untertanen sorgt.”


Nach seiner Rückkehr aus Frankreich traf er auf die allseits bekannten Klassiker Goethe und Schiller in real life. Wie man auf dem Bild links sieht, war dies der historische Moment, als die Gebrüder Humbold und die zwei klassischen Literaten beschlossen, von nun an in alle Ewigkeit die Schüler mit dem Faust und den Räubern zu traktieren.

Okay, das war Satire. Aber als Bildungsreformer reorganisierte er das Bildungssystem im Geiste des Humanismus und der Aufklärung. Mit seiner Wertschätzung für das antike Griechenland und den Studien der altgriechischen Sprache, Kultur und Philosophie mauserte sich Humboldt zum Juniorpartner der deutschen Klassik.

Nach seiner Ära als Privatier und als Gesandter Preußens im Vatikan ging er 1809/10 sein großes Lebenswerk an. Nach seiner Rückkehr nach Preußen wurde er zur Leitung der Sektion des Kultus und öffentlichen Unterrichts beordert. Ziel der Bildungsreform war es, dem mit der Französischen Revolution erwachten Freiheitsstreben der Bürger Raum zu geben, ihre Eigenverantwortung zu fördern und so dem Staat und der Nation neue Ressourcen zu erschließen. Waren die Schulen bei der Bildung bisher berufsorientiert, ging es Humboldt darum, auch Allgemeinbildung in den Lehrplan aufzunehmen. Die Idee einer guten Allgemeinbildung war es, Berufswechsel jederzeit zu ermöglichen. Krönender Abschluss der Bildungsreform war die Gründung der Berliner Universität im Jahre 1809.

Humboldt diente als Diplomat und Minister. Als Liberaler konnte er am Wiener Kongress wenig gegen die reaktionäre Übermacht nach dem Sieg über Napoleon ausrichten. Besonders bitter wirkten sich die Karlsbader Beschlüsse aus, welche sich gegen die liberalen Strömungen an den Universitäten richteten. ALs er gegen die willkürlichen Verhaftungen protestierte, wurde er aus dem Ministeramt entlassen. Die letzten Lebensjahre verbrachte Humboldt auf Schloß Tegel.

Wilhelm Humboldts wichtigstes Werk war die Systematisierung des Bildungssystems. Bei der Schreibkarate geht es darum, ein Lehrsystem für den Weg vom blutigen Anfänger zum Verlagsautor zu schaffen. Daher verweise ich erneut auf den Leitartikel über die Schreibkarate und zum Übersichtsartikel von Meister Dan und seinem Schüler Kyu.