19. Dezember

Erzähle nicht die Wahrheit,
solange dir etwas Interessantes einfällt.

Karl May
(1842 – 1912)

Wer kennt ihn nicht, den Autor des berühmten Winnetous und Old Shatterhands. Karl Friedrich May war der produktivste Autor von Abenteuerromanen. Hätte man den Jugendlichen Karl May kennengelernt, hätte man ihn für einen schwer problematischen Jugendlichen ohne Perspektiven gehalten. “Betrüger”, wäre den Leuten eher in den Sinn gekommen als “Bestsellerautor”. Denn Karl May verbüsste wegen Diebstahls, Hochstapelei und Betrugs eine vierjährige Haftstrafe im Arbeitshaus Osterstein in Zwickau und später eine weitere vierjährige Haftstrafe im Zuchthaus Waldheim.

Nach der Haftentlassung im Jahre 1874 kehrte zu seinen Eltern in Ernstthal zurück und begann mit dem Schreiben. Dabei kam ihm der Umstand zugute, dass die Verlagslandschaft und die Zeitungslandschaft seit der Reichsgründung im Aufwind befanden. 1879 erhielt er von der katholischen Wochenzeitung Deutscher Hausschatz das Angebot, seine Erzählungen zuerst dort anzubieten. 1888 schaffte er den Durchbruch mit den gesammelten Reiseromanen – dadurch erlangte er erstmals finanzielle Sicherheit und Ruhm.

Als Karl May den berühmten Winnetou herausgab, war er noch nie in Amerika, geschweige denn im Wilden Westen gewesen. Nach Abschluss der Winnetou-Trilogie reiste May 1908 in die USA und als Resultat davon erschien 1909 der Roman Winnetou IV. Allerdings änderte der Verlag den Titel auf Winnetous Erben, da es sich bei diesem Werk um keinen typischen Abenteuerroman, sondern um eine Aufarbeitung der Eindrücke seiner Amerikareise mit einer surrealistischen Note handelt.

Karl May behielt in seiner durchwachsenen Lebensbahn seinen langen Atem. Er hatte die Odyssee bis zum ersten Roman überstanden und ist konsequent seinen Weg gegangen.