15. Dezember

Ein Leser hat's gut,
er kann sich seine
Schriftsteller aussuchen.

Kurt Tucholsky
(1890 – 1935)

Kurt Tucholsky zählt zu den bedeutendsten Journalisten der Weimarer Republik. Als Mitherausgeber der Wochenzeitschrift Die Weltbühne erwies er sich als ein Gesellschaftskritiker in der Tradition Heinrich Heines. Er verstand sich als Sozialist und linker Demokrat und warnte vorm Erstarken der politischen Rechten und insbesondere vor dem Nationalsozialismus. Sein Vater verstarb bereits 1905 und hinterließ jedoch ein beachtliches Vermögen, sodass er sorgenfrei studieren konnte. Tucholsky begann ein Jura-Studium, dass er jedoch nicht mehr abschloss, da er bereits massiv journalistisch für die Zeitung Vorwärts tätig war. 1924 ging er als Korrespondent der Weltbühne und der Vossischen Zeitung nach Paris.

Tucholsky schrieb mehrere Gedichte, wobei mir jenes über den Wunsch nach dem Ideal, nach der eierlegenden Wollmilchsau am besten in Erinnerung geblieben ist:

Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.
Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:

Mit der eierlegenden Wollmilchsau kann dieser Blog nicht aufwarten. Doch Tucholsky war ein Kämpfer des Wortes und ein Schreibkarateka der hohen Meisterklasse. Dieser Leitartikel zeigt euch den Weg vom ahnungslosen Träumer zum Verlagsautor.