Mastery – der Weg zur Meisterschaft.

Mastery ist der englische Begriff für das Meistern einer Fähigkeit. Es ist jener Weg, der vom ahnungslosen Träumer zum Meister seines Fachs führt. Gehen muss ihn jeder selbst. So weit – so banal. Dennoch wird in unserer Gesellschaft die Erwartungshaltung gepflegt, alles müsse leicht, mühelos und rasch über die Bühne gehen. Voraussetzung dafür sei lediglich eine gute, positive Einstellung. Vor kurzem wurde meine Kollegin mit der Behauptung konfrontiert, man müsse bloß einen Bestseller schreiben und schon hätte man ausgesorgt. In so einer Behauptung zeigt sich schön das als “positives Denken” verkaufte Schönreden. So eine Haltung ist die Garantie für das Scheitern mit einem kurzen Atem. Graphisch schaut die Erwartungshaltung und die Realität bei den Positivdenkern wie folgt aus:

In Wirklichkeit lebt der Positivdenker von Anfang an in einer Illusion. Doch die Realität lässt sich nur eine Zeit lang verdrängen. Der wunderbare Durchbruch bleibt aus, der Kosmos liefert einfach nicht. Das berühmte Geheimnis greift schlichtweg nicht, dafür wachsen zunächst unbewusst die Enttäuschung und der Frust. Bis schließlich nichts mehr geht. Bis der nächste Bestseller beim Universum bestellt wird.

Kein Meister fällt vom Himmel

Die meisten Menschen stehen jedoch mit beiden Beinen im Leben, sodass sie den Unsinn von den Bestellungen beim Universum nicht abkaufen. Sie erwarten sich, dass mit harter Arbeit ein kontinuierlich wachsender Erfolg einstellt. So nach dem Motto, dass man sich kontinuierlich mit jedem geschriebenen Wort verbessert.

Auch das entspricht nicht der Wahrheit!

In Wirklichkeit hat man beim Kreativen Schreiben wie in jeder anderen Disziplin mit Plateaus der Stagnation zu kämpfen. Das äußert sich darin, dass man während eines solchen Plateaus immer wieder die gleiche Kritik zu hören bekommt und dabei glaubt, dass man trotz aller Mühen nicht besser wird. Erst wenn sich die Kritik inhaltlich ändert, hat man den Sprung auf ein neues Niveau geschafft. Ein Anfänger hört die ganze Zeit, er soll zeigen und nicht behaupten. Irgendwann sagt ihm die Kritikgruppe, dass die Figuren flach seien und die Motivation der Protagonisten nicht logisch sei.

Frustrierend?

Ohne Zweifel. Doch der Anfänger in diesem Beispiel kannsich über die neue Kritik freuen. Er hat die erste Hürde gemeistert. In diesem Moment hat er die Handlung anschaulich gezeigt, anstatt sie einfach zu behaupten. Er ist fortgeschritten.

Nun geht das Spielchen von vorne los. Wieder muss der Fortgeschrittene mit der dauernd gleichen Leier herumschlagen, die Figuren seien zu flach und die Szenen zu konstruiert. Bis dann eines Tages diese Kritik verstummt und das Thema Plot und Figurenlogik losgeht. Dies sieht graphisch wie folgt aus:

Ich kämpfe mich voran!

“Ich kämpfe mich voran”, lautet das Motto des Schreibkaratekas. Um einen Quantensprung zu erreichen, muss man auf demselben Niveau die berühmten 100.000 Wörter schreiben.  Hier gilt es hartnäckig dran zu bleiben und den entstehenden Frust auf jedem Plateau auszuhalten. Genau das braucht es, wenn der Atem für einen Roman reichen soll.

 

Mastery – ein Buchtipp über den Weg zur Meisterschaft.

Der Längere Atem - Cover

Der längere Atem

George Leonard (1923 – 2010) hat sich mit dem Akido und dem Zen beschäftigt und dazu ein Buch verfasst, das ich den Lesern meines Blogs stark empfehlen kann. Es handelt sich zwar nicht um einen klassischen Schreibratgeber, aber die Lektionen dieses Buchs lassen sich wunderbar auf kreatives Schreiben anwenden.

George Leonard stellt uns zunächst die Meisterschaft in einer Disziplin vor, danach lernen wir den Unsteten, den Verbissenen und den Selbstzufriedenen kennen und wie sie sich vom Meister unterscheiden. Unstete beginnen immer wieder neue Projekte und schließen nie eines ab, Verbissene akzeptieren mangels Geduld die Plateaus der scheinbaren Stagnation nie, während Selbstzufriedene stets auf einem Niveau bleiben und nichts für Ihre Entwicklung tun.

Die fünf Schlüssel zur Meisterschaft

Mastery - der Weg zur Meisterschaft

Cover der Originalausgabe

Im zweiten Abschnitt seines Buchs gibt uns Leonard die wichtigsten Schlüssel mit, wie man in einer Disziplin zur Meisterschaft gelangt. Mit einem oder mehreren Lehrern ist es viel leichter möglich, typische Fehler zu vermeiden und man erspart es sich, das Rad stets aufs Neue erfinden zu müssen. Dabei ist es wichtig, auf die Qualität der Lehrer zu achten. Ein weiterer wichtiger Schlüssel ist das regelmäßige Üben. Es mag banal klingen, aber kreatives Schreiben lernt man nur durch kreatives Schreiben. Demut ist ein zentraler Wert, um sich laufend weiterzuentwickeln. Ohne Willenskraft und Zielstrebigkeit kommt man nie in den Zustand, seine eigenen Grenzen laufend zu testen.

Die Tools für die Meisterschaft

Im dritten Abschnitt erhalten wir wichtige Werkzeuge, um zum Erfolg kommen. Leonard erklärt, warum die meisten Vorsätze scheitern und was man dagegen tun kann. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie man die nötige Energie für die Meisterschaft bereit stellt. Natürlich macht es Sinn, sich mit den Fallstricken auf dem Weg zur Meisterschaft zu beschäftigen. Zuletzt liefert uns das Buch noch eine Checkliste und beantwortet die Frage, was einen Lernenden ausmacht. Die Bereitschaft, den weißen Gurt zu tragen.

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