Der Mann aus dem FegefeuerDer Mann aus dem Fegefeuer

Vor einem Monat lief in Graz der Prozess gegen den Amokfahrer Alen R. Der Betroffene trat vor Gericht im weißen Anzug auf und mutierte am Schluß doch noch zurechnungsfähigen Angeklagten, der in Folge zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Im demselben Saal stand vor 20 Jahren ein anderer Mann aus Judenburg vor dem Richter. Im Unterschied zu Alen R. hatte Jack Unterweger bereits einiges am Kerbholz und wegen Mordes 15 Jahre Gefängniserfahrung hinter sich.

Auch er trug während seiner wenigen Monate in Freiheit als Häfnpoet gern einen weißen Anzug mit roter Blume und wickelte mit seinem Charme sowohl die Frauenwelt als auch die Prominenz um den Finger. Dieser Mann war am 1. Juni 1976 wegen eines brutalen Mordes an Margret Schäfer zu lebenslanger Haft verurteilt worden und hat sich im Knast zum  Literaten entwickelt. Aus diesem Grund setzten sich Prominente aus ganz Österreich für den geläuterten Mörder ein. Bei seiner Entlassung nach nur 15 Jahren galt Jack Unterweger demgemäß als das Paradebeispiel gelungener Resozialisierung. Er stieg dann zum Liebling der Wiener Schickeria auf. Zugleich passierte eine unheimliche Mordserie in Wien, Graz, Prag und Los Angeles. Zudem hatte sich der Literat sich immer zur Tatzeit in der Nähe des jeweiligen Tatorts aufgehalten. Es dauerte folglich nicht lange, bis der Verdacht auf Jack Unterweger fiel.

Der Jahrhundertprozess

Unterweger erfuhr, dass die Polizei ihm auf die Fersen war. Daher floh er nach Florida. Dort wurde er vom FBI gefasst und in Folge dessen wieder nach Österreich ausgeliefert, sodass in Graz der Jahrhundertprozess  steigen konnte. Am Ende des Prozesses stellten die Geschworenen in neun der elf Fälle seine Schuld fest, worauf der Richter Unterweger erneut zu lebenslanger Haft verurteilte. Das Urteil erreichte dennoch keine Rechtskraft. In der Nacht nach der Verkündigung des Urteils erhängte sich Unterweger in der Zelle mit der Kordel seiner Jogginghose. Dabei lieferte er unbeabsichtigt ein Geständnis. Der Knoten glich dabei aufs Haar den Knoten, die Unterweger bei den BHs seiner Opfer anwandte.

Der oberflächliche Charme des Soziopathen

Vor kurzem kam ich im Taxi auf das Thema Jack Unterweger zu sprechen. Die Taxlerin zweifelt selbst 20 Jahre nach diesem Aufsehen erregenden Fall an der Schuld des Serienmörders. An diesem konkreten Beispiel sieht man, wie sehr der oberflächliche Charme des Psychopathen wirkt. John Leake zeichnet sehr gut und nachvollziehbar den Lebenslauf dieses Frauenmörders nach. Ein sehr lesenswertes Buch, das sowohl den Fall als auch die Denke von Soziopathen zeigt.

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