Heimspiel von Helwig Brunner bei Anita Keiper

Am 18. Juni traf ich nachmittags auf Helwig Brunner, der im literarischen Wohnzimmer der Edition Keiper auf seinen Auftritt wartete. Zurzeit läuft im Rahmen das Architektursommers Graz die Ausstellung Heimspiel, welche Kunst und Kultur im Triesterviertel thematisiert.

Anita Keiper präsentiert die von Helwig Brunner herausgegebene Lyrikreihe

Kein Wunder, dass der Kunstrundgang durch jenen Stadtteil bei der Edition Keiper Station machte. Dieser Verlag mit dem Schwerpunkt »Steirischer Autoren« existiert seit einem Jahrzehnt. Seit acht Jahren residiert er im Triesterviertel. Im literarischen Wohnzimmer des Verlagshauses wartete ein prominentes Kind aus besagtem Viertel auf die Teilnehmer des Kunstrundgangs.

Helwig Brunner ist der Herausgeber einer Lyrikreihe. In jedem Jahr erscheinen zwei bis drei Bände. Manchmal gehen sich auch vier Lyrikbände aus. Anita Keiper hat nicht ohne Stolz diese Serie als eine Säule ihres Verlages bezeichnet. Damit ist es ihr gelungen, weit über die regionalen Grenzen hinaus einen Namen in der deutschsprachigen Literaturszene zu erarbeiten

Lyrikwettbewerb der Akademie Graz

2011 fand ein Literaturwettbewerb der Akademie Graz statt, wobei die Teilnehmer Liebesgedichte ablieferten. Aus den eingereichten Texten entstand der erste Band als Anthologie. Daraus las Helwig Brunner das SMS – Gedicht von Andreas Unterweger, das enttäuschte Liebe humorvoll im Twitterstil präsentiert.

Während der Veranstaltung erwähnte Helwig Brunner den zweiten Band, der Rätselgedichte aus seiner Feder enthält. Jedoch gerieten wir zunächst nicht in den Genuß, eines dieser Knobelgedichte zu hören. Erst nach einer Bitte aus dem Publikum präsentierte er eine geschickt umgesetzte Umschreibung eines Sessels, welche mit den Worten: „Ich würde mir wünschen, du würdest 

deine Gedichte im Stehen schreiben“ beginnt.

Keiper Lyrik

Ab dem dritten Band (inzwischen ist Band 19 in Produktion) enthält jedes Buch nur die Werke eines einzelnen Autors. Dabei kommt immer ein anderer Poet zum Zug. Somit kann man die Keiper Lyrik auch als eine riesige Anthologie sehen, welche laufend wächst.

Bei der Lesung widmete sich Helwig Brunner dem fünften Band, den Mario Hladicz geschrieben hatte. Daraus wählte er ein Gedicht, das mit Frankensteins Monster in der Geisterbahn beginnt.  Es verwandelt sich im Lauf der Verszeilen in einen Mann, der mit seiner Freundin telefoniert. In diesen Dichtungen wird mit Verschiebungen aus dem Surrealen ins Normale und umgekehrt gearbeitet.

Die kleine kubanische Grammatik von Udo Kawasser enthält sowohl spanische als auch deutsche Lyrik. Ein Gedicht führt uns die Poesie der Liste anhand des Beispiels der Mangolitanei vor.

Insgesamt hat die kurze Lesung die große Bandbreite der Dichtkunst gezeigt. Vielleicht wird eines Tages auch ein Band mit Krimigedichten erscheinen. In diesem Fall könnte sogar ich zum Käufer eines Gedichtbandes werden, obwohl ich persönlich kein glühender Liebhaber der Lyrik bin.