Gelber Zwerg

Gelber Zwerg»Wow!«

Lena Ozola strahlte. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass sich wiederholte, was sie gestern am Bildschirm gesehen hatte. Das Radioteleskop hatte eine Signalsequenz eingefangen, die sich deutlich vom kosmischen Hintergrundrauschen unterschied. Extrem schmalbandig und gleichmäßig stach es am Oszilloskop aus dem Wellensalat hervor.

Man sah es auf dem ersten Blick. Das war kein natürliches Radiosignal, sondern zweifelsohne moduliert. Aus dieser Einöde stammte es unter keinen Umständen. Hier wohnte,  abgesehen von den Forschern des Instituts für interstellare Kommunikation, niemand.

Falls es sich bei der flimmernden Kurve auf dem Monitor um eine Nachricht handelte, war ihr eine historische Entdeckung gelungen.

Nicht voreilig sein!

Lena tippte den Befehl in den Computer, nach möglichen Quellen zu scannen. Sollte die Demodulation gelingen, winkte ihr die prestigeträchtigste Auszeichnung, die ein Wissenschaftler auf der Welt erhalten konnte. Ihre Gedanken schlugen Purzelbäume, als sie an die Lobrede vor der Preisverleihung dachte. Was für eine geile Vorstellung, wenn Schulkinder Lena Ozola in einem Atemzug mit den bekanntesten Wissenschaftlern aller Zeiten nannten.

Ruhig bleiben!

Lena Ozola lief an ihren Kollegen vorbei, zog sich die Daunenjacke an und trat ins Freie. Kalter Wind blies ihr um die Ohren. Sie blickte hinauf zum wolkenlosen Nachthimmel, wo die Sterne funkelten. Seit Kurzem wusste man, dass um diese fernen Sonnen Planeten kreisten. Die entdeckten Himmelskörper hatte niemand zuvor in den kühnsten Fantasien für möglich gehalten. Kein Science-Fiction-Autor hatte an solche Monsterplaneten gedacht, welche 640 Mal schwerer als die Heimatwelt waren. Manches Objekt schien aus Basaltholz zu bestehen und einen enormen Umfang zu besitzen. Diese Planetenmonster umkreisten meist in einem Bruchteil eines Monats ihr Zentralgestirn. In den letzten 300 Monaten hatte die Astronomie für ein Feuerwerk an Entdeckungen gesorgt. Nun war Lena Ozola dem Superknaller auf der Spur. Irgendwo da draußen gab es eine intelligente Spezies und sie hatte als Allererste eine Botschaft aus einer fernen Welt aufgespürt…

Sie kehrte zu ihrem Team in ihr Labor zurück, marschierte zum Teekessel und schenkte sich frischen Tee in ihre Tasse. Das Getränk wärmte sie nicht nur, es regte ihre Vorfreude auf den Champagner an, wenn es diesen Erfolg zu feiern galt. Sie setzte sich nach dem ersten Schluck wieder an ihren Schreibtisch.

Sie warf einen Blick auf den Bildschirm. Zwei kleine Zacken flankierten eine hohe Spitze. Eindeutig! Es handelte sich um ein amplitudenmoduliertes Signal. Glanz klar.

»Das gibt’s nicht!«, rief sie.

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