Eine Schreibwerkstatt im Rindlerwahn!

Bei den offiziellen Nanowrimo-Vorgaben schaut es sehr gut aus. Die verbleibende tägliche Wortzahl ist auf 973 Wörter gesunken und mit dem derzeitigen Pace werde ich den Nanowrimo in der dritten Novemberwoche  beenden.

Was ich jedoch schon bemerkt habe, ist die Tatsache, dass der Nanowrimo sehr schwierig ist, wenn man völlig frisch startet. Dass ich mein eigenes Ziel von 80.000 Wörtern erreichen werde, halte ich inzwischen für ausgeschlossen. Ich hoffe jedoch, dass ich das offizielle Ziel von 50.000 Wörtern im Zuge der dritten Woche schaffe, zumal ich die vierte Woche für ein politisches Projekt benötige.

Abgesehen von der Müdigkeit und der starken Beanspruchung geht es mir recht gut. Nun ging es in die dritte Woche und hier zeigte sich, wie wichtig eine gute Vorbereitung auf dieses Event ist.

Die Frage nach dem Talent

Langsam trudelten die Teilnehmerinnen zur Veranstaltung ein. Als Anfängerinnen und Fortgeschrittene lauschten wir den Worten des Schreibmeisters bei Kaffee, Brot, Käse & Wurst und Orangensaft.

Dieses Mal sprach Ronny Rindler über den Genialitätsmythos und er brachte einen Aspekt darüber, der mir so noch nicht geläufig war. Oft gingen Teilnehmer an Volkshochschulkursen zu Ronny Rindler und baten ihn, die Frage der Fragen zu beantworten: Ob ihre Texte zeigten, dass deren Autoren Talent hätten. Natürlich konnte Herr Rindler diese Frage nicht beantworten, da diesbezüglich bei keinem vorliegenden Text eine Aussage möglich ist. Das Problem liegt darin, dass man in der Kunst derartige Feststellungen nicht objektiv treffen kann. Ob ein Roman  besonders gelungen, ein Musikstück wohlklingend oder ein Gemälde schön ist, liegt im Auge des Betrachters. Man kann jedoch 

 Man kann jedoch in allen Bereichen der Kunst sehr wohl sagen, ob es zu handwerklichen Fehlern gekommen ist.

Schreiben ist Handwerk

So lautet die Antwort auf den Genialitätsmythos und das Talentmärchen. In der Tat ist Talent nur ein Bruchteil dessen, was Schreiben ausmacht. Zum Großteil besteht erfolgreiches Schreiben aus Handwerk, Kritikfähigkeit und Selbstdisziplin.

Im theoretischen Teil nahmen wir die Grundstruktur einer Geschichte durch, wie wir sie alle von der Schule her kennen. Einleitung, Hauptteil, Schluss. Die mag banal klingen, aber es gibt viele Texte, denen es meist am Ersteren oder Letzteren fehlt. Bei Manuskripten ohne Einleitung ist der Leser sehr schnell verwirrt und weiß nicht, worum es geht. Texte ohne Hauptteil verlieren sich und langweilen, während der Leser von Schriftstücken ohne Schluss sich veralbert fühlt.

Auf die Plätze, fertig, schreibt

Nach dem theoretischen Teil kann jeder Teilnehmer seine Geschichte kurz präsentieren und dann geht es los. Richtig los. Dann wird geschrieben.

90 Minuten lang.

Ohne Unterbrechung.

Kein Tratschen, kein Fragen, kein Jammern und keine Schreibblockaden. Es wird keine Ausrede akzeptiert.

Bei mir ging es – wie nicht anders zu erwarten – um den nanowrimo. Bei mir ging es an diesem Tag nicht so toll weiter – ich hatte mehr als erwartet an einem Text zu feilen, doch die Szene konnte ich mit dem Gong am Ende der Session erfolgreich abschließen.

In der anschließenden Besprechungsrunde wurden dieses Mal keine Texte präsentiert, da die Teilnehmer dazu keine Lust hatten. Als störender Faktor kam die unmittelbar danach steigende Veranstaltung der »Free Stage« ins Spiel. Deren Teilnehmer trudelten nach und nach ein, womit unser Event auszuklingen hatte.

Fazit

Dieses Format hat mir sehr gut gefallen und ich kann es uneingeschränkt für jeden empfehlen, der sich mit dem kreativen Schreiben auseinandersetzen will. Sei es, ob er nur für sich schreibt oder ob er so alle zwei Wochen einen Motivationsschub abholen will oder ob er sich gemeinsam mit Gleichgesinnten auf die spannende Reise zum veröffentlichten Autor gehen will.

2 Gedanken zu „Die Schreibwerkstatt im Rindlerwahn“

  1. Genau deswegen habe ich ja vorgeschlagen, unsere Treffen ähnlich zu gestalten. Mir ist es zwar ein wenig zu straff organisiert, das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich Eigenbrötlerin ja freiwillig immer auch Theorie lerne und Übungen mache, anstatt „nur“ ständig an meinen Projekten zu arbeiten.
    Grundsätzlich finde ich Ronny Rindler absolut toll, das Autorentreffen im Oktober war richtig fein!

    Liebe Grüße
    Nina

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