Die fruchtbare Erde leuchtet unter der roten Abendsonne

Die fruchtbare Erde leuchtet unter der roten Abendsonne

Wann leuchtet die fruchtbare Erde unter der roten Abendsonne? So manch Anfänger hofft dies, nachdem er die ersten Schreibratgeber gelesen und die ersten Tipps daraus umgesetzt hat. Die Grundzutat für den Weg eines Schreibkaratekas ist die Geduld. Nichts geht von heute auf morgen und auf jeder Stufe braucht man immer mehr davon

Während ein Schreibkarateka für den gelben Gurt 100.000 Wörter schreiben muss, sind nochmals so viel für den nächsten Level nötig. Das allein reicht jedoch nicht mehr. Wer den Orangegurt trägt, hat sich nicht nur mit den Grundlagen der Schriftstellerei beschäftigt. Er hat sich darüber hinaus in Schreibgruppen begeben. Somit hat er seine Texte fundierter Kritik außerhalb der Familie und des Freundeskreises ausgesetzt.

Meist schmerzt diese Kritik. Auch wenn man selbst von seinem Text stark überzeugt ist, wird er von erfahrenen Autoren »auseinandergenommen.« Die Lektion in dieser Phase lautet: Der Autor ist der Autor und der Text ist der Text. Es ist sehr hart, das über sich ergehen zu lassen und danach wieder mit einem Text zur Schreibgruppe zu kommen. Erst dann weiß man es: Die fruchtbare Erde leuchtet in der roten Abendsonne.

Ein Meister, der nie kritisiert und nur mit Blumen streut, ist ein Scharlatan. Ein Spitzencoach lobt sowohl den Einsatz als auch den Fortschritt. Zugleich deckt er schonungslos die Verbesserungspotenziale auf. Harte, aber wohlwollende Kritik ist die Voraussetzung für Wachstum beim kreativen Schreiben. Stephan Ulrich Mayer hat es auf der Bundesakademie in Wolfenbüttel wie folgt formuliert:

Es ist wichtig, brutal zum Text und zugleich nett zum Autor zu sein.

Stephan Ulrich Mayer, Bundesakademie Wolfenbüttel

Der Lehrer sieht noch keine Frucht

Was bedeutet es, wenn der Lehrer noch keine Frucht sieht? Dann wird die Kritik sehr heftig ausfallen. Er wird laufend Verbesserungspotenziale in den Texten entdecken, die es zu heben gilt.

Wer den Schritt in eine Schreibgruppe schafft und die Kritik aushält, ist bereit für einen Lehrer. Der Anfänger hat die nächste Hürde genommen. Aus ihm ist ein Fortgeschrittener geworden. Bei ihm ist der Schnee zur Gänze geschmolzen. Nun kann er von sich ruhigen Gewissens sagen: »Die fruchtbare Erde leuchtet in der roten Abendsonne.«

Der Schüler keimt, kann aber noch nichts

Was unterscheidet den Fortgeschrittenen von einem blutigen Anfänger? Was hat ihm das bisherige Schreiben gebracht, wenn er nach 200.000 Wörtern noch immer nichts kann? Gilt dann doch der Mythos vom geborenen Genie? Ist es vielleicht doch richtig, dass der Schriftsteller es kann und niemand es zu erlernen vermag.

Nein, es stimmt nicht!

Jemand, der es zum Orangegurt geschafft hat, weiß im Gegensatz zum Weißgurt, dass er noch sehr viel lernen muss. Diese Erkenntnis schmerzt. Sie tut verdammt weh. Dennoch ist es für seinen Fortschritt wichtig. Sie ist auch der wesentliche Unterschied zum Träumer, der nur dauernd vom Schreiben eines Romans redet. Dieser weiß nicht, dass er nichts kann, denn er steht auf der Stufe der unbewussten Inkompetenz. Ein Fortgeschrittener hingegen hat definitiv den Level der bewussten Inkompetenz erreicht. Nur wer es bis dorthin schafft, ist auch bereit, weiterhin hart an sich zu arbeiten und zu lernen.

Was kommt als Nächstes auf die fruchtbare Erde?

Einem Schreibkarateka auf dieser Ebene empfehle ich, es mit Kurzgeschichten im Umfang von 5 bis 15 Seiten zu versuchen. Damit schafft man es zu ersten Erfolgserlebnissen. Zudem werden immer wieder Wettbewerbe für kurze Texte ausgeschrieben, womit er die Wirkung seiner Texte auf ein Publikum testen kann.

Leider laufen nicht alle Schreibwettkämpfe fair ab. Es gibt sogar unseriöse Pseudowettbewerbe wie zum Beispiel den dtvfantasynewcomer, die unter der Flagge von Publikumsverlagen auf sozialen Schreibplattformen segeln.

Falls man es in eine Anthologie schafft, hat man damit einen wichtigen Schritt getan, was später bei den Bewerbungen bei Agenturen und Verlagen hilft.

Wer Kurzgeschichten schreibt, lernt mit der Zeit, Szenen eines Romans zu gestalten. In diesem Blog werde ich verschiedene Szenentypen beschreiben und darauf eingehen, worauf es beim Schreiben der unterschiedlichen Szenen ankommt. Unter anderem wird eine kontemplative Szene anders funktionieren als eine Actionszene.

Verlag ist nicht gleich Verlag

Wer regelmäßig schreibt und das Handwerk studiert, wird eher früher als später sich mit dem Thema Veröffentlichung im Verlag beschäftigen. Auch hier gilt es, vorsichtig zu sein. Dass Publikumsverlage mit windigen Pseudowettbewerben auf unseriösen Pfaden wandeln, ist ein junges und hoffentlich kurzfristiges Phänomen.

Doch es geht tiefer, viel tiefer. Nicht überall, wo Verlag draufsteht, ist auch ein Verlag drin. Es gibt Pseudoverlage, die keinen einzigen Roman im Buchhandel unterbringen und es auch nicht wollen. Dafür schmücken sie sich gern mit wohlklingenden Namen wie zum Beispiel August von Goethe, dem sie ein “Literaturverlag” hinzufügen. Sie leben lediglich von der Eitelkeit der Autoren, die gern ihr Buch in ihren Händen halten wollen. Selbstredend verlangen diese “Verlage” bis zu fünfstellige Beträge von den unerfahrenen Männern und Frauen der Feder. Sobald deren Geld auf dem Konto des Pseudoverlags landet, wird für den Vertrieb des Buchs kein Finger gerührt.  Zurück bleibt ein schwer frustrierter und zutiefst enttäuschter Hobbyautor.

Grundsätzlich zahlt der Autor NIEMALS  auch nur einen Cent an den Verlag. Sowohl das Design des Covers als auch das Layout sowie Lektorat und Korrektorat werden vom Verlag finanziert. Selbiges gilt selbstredend für den Druck und den Vertrieb des Werks. Kurz und gut: Zahle für dein Buch niemals auch nur einen Cent an einen Verlag! 

Drei einfache Merkregeln

Wer diese einfachen Merkregeln beachtet, erspart sich die schlimmsten Enttäuschungen im Autorenleben.

  • Zahle niemals an einen Verlag für die Veröffentlichung!
  • Meide Schreibwettbewerbe von Pseudoverlagen!
  • Vergiss Schreibwettbewerbe mit einem Online-Voting!  

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