Das Wechselbälgchen von Christine Lavant im Bücherbazar Obdach

Ursprung der Lavant

Obdach ist eine Marktgemeinde mit 3810 Einwohnern, wo knapp unterhalb des Zirbitzkogels die Lavant aus dem Lavantsee entspringt. Nach diesem Fluss hatte sich die Kärntner Heimatdichterin Christine Lavant (1915-1973) benannt.

Am Abend des 7. September 2018 kam es in Obdach inmitten des Zirbenlands zu einer Premiere. THEO, also die Theatergruppe Oberzeiring, führte im Wagnerhaus das Theaterstück »Das Wechselbälgchen« auf. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Erzählung von Christine Lavant, die erst 15 Jahre nach dem Tod der Literatin im Jahre 1998 im Wallstein Verlag erschienen ist.

Christine Lavant
Gezeichnet von Unglück und Krankheit: Christine Lavant (Quelle: Die Welt)

Christian Elgner und Sigrid Sattler haben diese Geschichte in ein Theaterstück transkribiert und es sehr professionell auf die Bühne gebracht. Wie man auf dem Bild (Foto von der Aufführung) sieht, bestand die Bühnentechnik aus zwei Hockern, einem fernbedienten Musikplayer und einem alten Kochtopf. Dennoch gelang es beiden Darstellern, den Bauernhof und das Dorf durch ihre hochkarätige Schauspielkunst auf die Bühne zu zaubern. Meist spielen Christian Eigner und Sigrid Sattler die Hauptrollen des Knechts Lenz und der Magd Wrga. Zugleich schaffen sie es, die Nebenrollen (wie den Priester oder das Bälgchen) übergangslos zu mimen, ohne den Zuseher dadurch zu verwirren. Dies gelingt, indem zum Beispiel Lenz über den Besuch beim Pfarrer erzählt und dabei den Geistlichen spielt.

Inhalt

Die bedrückende Stimmung dieser Geschichte wird bereits in den ersten Sätzen rübergebracht:

Wrga die Einäugige hatte ein Wechselbälgchen. Aber sie tat so, als ob sie das nicht wüsste und nannte das Bälgchen manchmal bei seinem schönen Namen. Ja, sie fand diesen Namen überaus schön, obgleich der Duldiger Pfarrer gesagt hat, dass der Name eigentlich eine Strafe sei, weil die verräterische Königin so geheißen hat und wenn es ein Bub wäre, müsste es nach dem verbrecherischen Kaiser »Napoleon« heißen. 

Beginn der Erzählung von Christine Lavant

Die Kuhmagd Notburga, genannt Wrga, kämpft um ihr uneheliches Kind. Das geistig behinderte Mädchen wird von der abergläubischen Dorfgemeinschaft als Wechselbalg abgelehnt. Angeblich hätten böse Geister den Balg gegen die Tochter der Magd getauscht. Dennoch darf Zita mit den Keuschen-Kindern spielen und diese bringen ihr das eine oder andere Wort bei. Schließlich lernt Zita beim Puppenspiel sogar einen ganzen Satz. »Ibllimutta« (Ich bin die Mutter) gibt sie später immer wieder von sich.

Alles geht soweit gut, bis der Knecht Lenz in Wrgas Leben tritt. Dieser hätte im Traum die Anweisung erhalten, die hässliche, alte Magd zu ehelichen. Wrga ist dem nicht abgeneigt, zumal sie abermals schwanger ist. Jedoch hat Lenz ein Riesenproblem mit dem Wechselbälgchen. Er will es ins Wasser werfen und es so den Dämonen zurückzugeben. Doch Wrga kämpft den aussichtslosen Kampf um ihre Tochter, wobei Zita letztendlich mütterliche Instinkte zeigt.

Die Theatergruppe THEO

In Oberzeiring fanden sich in den späten Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts ein paar Leute, die das Theaterspiel als Hobby betrieben. Diese Gruppe intensivierte ihre Tätigkeit und so kam es ab 1983 zu öffentlichen Auftritten. Ab 2000 professionalisierte sich das Ensemble. Neben der Ausbildung zum Bühnentechniker absolvierten Christian Enger und Sigrid Sattler die Schauspielschule. Im Jänner und Februar 2018 transkribierten sie die Erzählung von Christine Lavant zu einem Theaterstück. Kurz darauf starteten sie mit den Proben. Im Mai war es dann so weit: Die Premiere des Stücks stieg im Theater Oberzeiring. 

Das steirische Regionalfernsehen Kanal 3 hat nach der Premiere darüber berichtet. In dem Beitrag kommen auch die zwei Schauspieler dieses Stücks zu Wort.

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Bücherbazar Obdach

Bücherregal im Lesezimmer des Bücherbazars 

Wie kommt es nun dazu, dass das Wechselbälgchen von Christine Lavant in einer kleinen Marktgemeinde zur Aufführung gelangt? Dies ist einer Institution zu verdanken, die man auf dem Land eher nicht zu finden vermutet: dem Obdacher Bücherbazar. Wie viele gute Projekte aus der Bevölkerung war auch dieses nicht geplant, sondern es ist spontan aus sich heraus entstanden.

Seit 2012 findet im Frühjahr der Obdacher Marktfrühling statt. Dabei zeigen die Unternehmer ihre Produkte. Als Schmankerl gibt es neben Speis und Trank auch traditionelle Auftritte lokaler Vereine. Dazu wurde in einem alten Geschäft ein Bücherbazar eingerichtet, das gebrauchte Bücher um zwei Euro feilbot. Entgegen den Erwartungen wurde der Bazar von den Leuten akzeptiert, wobei einige Werke den Besitzer wechselten. Als die Sparkasse ihre Pforten schloss, wurde ein Raum für einen ständigen Bücherbazar frei. Daraus entwickelte sich 2017 ein gut frequentiertes Lokal, sodass das neue Angebot von der Bevölkerung gut angenommen wurde. Die Unterstützung durch die Einwohner reichte so weit, dass sie dem Bazar Möbel und ein Bücherregal von Ikea spendeten. So verwandelte sich  im Wagnerhaus die sterile Sparkasse in ein gemütliches Lesezimmer.

Kultur -und Theaterworkshops bringen die große Welt nach Obdach

Der Bücherbasar lebt den Anspruch, die Kultur aus der weiten Welt nach Obdach zu holen. Was als eine unscheinbare Attraktion am Marktfrühling begonnen hat, mausert sich langsam zu einer Institution des Landlebens.

Aufgrund des Erfolgs hat man für den Betrieb des Bücherbasars einen gemeinnützigen Verein gegründet. Im Lauf der Zeit konnte etwas Geld eingenommen werden. Dadurch werden kleine Projekte wie ein Theaterworkshop für die Kinder umgesetzt. Auch Theaterstücke sollen regelmäßig nach Obdach gebracht werden. Hier hat man mit dem Wechselbälgchen von Christine Lavant einen fulminanten Startpunkt gesetzt. Darüber hinaus wird an jedem ersten Freitag im Monat eine Lesung angeboten. Der Basar öffnet freitags zwischen 15:00 und 18:00 seine Pforten.

Ich plane, dort eine »Wohnzimmerlesung« abzuhalten und dabei aus den Büchern »Mallorca mörderisch genießen« und meinem Roman »Todesernst« zu lesen.

Die nächsten Programmpunkte

Am 5. Oktober stehen ab 17:00 Uhr stürmische Zeiten (also Sturm und Kastanien) an. Dem schließt um 19:00 Uhr die Buchvorstellung »Sich finden« meines Klassenkollegen aus der Volksschule Stephan Maurer an. Dessen Texte werden von Karriesma vorgelesen.

Am 2. November stehen um 19:00 Uhr besinnliche Geschichten mit musikalischer Umrahmung am Programm.

Zwei Wochen später, am 16. November liest Erich Jäger aus der Biografie von Elisabeth Buzek, wobei die Lesung mit einer Weinbegleitung aufgepeppt wird.