Einen Kommentar hinterlassen

Das österliche Gewinnspiel hat seine Gewinner gefunden.

Was genau gab es zu gewinnen?

Für das österliche Gewinnspiel habe ich folgende fünf Preise ausgelobt.

  1. Preis: Kriminaltango für 2 Personen und dazu Mallorca mörderisch genießen und Auf der Sonnenseite des Schreibens.
  2. Preis: Essen mit Paul Decrinis im Schloßbergrestaurant mit Blick auf die Dächer von Graz. Dazu die Bücher Mallorca mörderisch genießen und Auf der Sonnenseite des Schreibens.
  3. Preis: Auf der Sonnenseite des Schreibens und Mallorca mörderisch genießen.
  4. Preis: Mallorca mörderisch genießen.
  5. Preis: Auf der Sonnenseite des Schreibens.

Wer hat gewonnen?

Die Auslosung unter den Fans meiner Seite hat folgende glückliche Gewinner ergeben:

  1. Preis: Harald Glücksschmied
  2. Preis: Mark-Denis Leitner
  3. Preis: Inese Uranschek
  4. Preis: Bernhard Valta
  5. Preis: Christian Böhler

Die Gewinner wurden von mir per pn auf Facebook verständigt und ich gratuliere ihnen herzlich. Allen anderen Fans wünsche ich ein frohes Osterfest und viel Glück beim nächsten Gewinnspiel auf dieser Seite.

Einen Kommentar hinterlassen

Der Schnee schmilzt, die harte gefrorene Erde leuchtet gelb

Der Schnee schmilzt

Der Schnee schmilzt, die harte, gefrorene Erde leuchtet gelb: Der Lehrer sieht nicht, ob der Schüler fruchtbar ist. Der Schüler sieht nicht, ob aus der Lehre Frucht wachsen wird. 

Dieser SpruchDer Schnee schmilzt charakterisiert im Karate den Geisteszustand eines Anfängers im 6. Kyu und man kann ihn getrost auf die Schreibkunst übertragen.

Ein Anfänger hat eine erste, wesentliche Hürde genommen – er schreibt regelmäßig und nimmt sich  dafür immer wieder Zeit. Statt typischer Ausreden wie Job, Familie, Sport, Haushalt, oder vieler anderer Dinge regiert bei ihm die Disziplin. Jeden Tag produziert er für sich den einen oder anderen Text. Mal länger, mal kürzer. Seine Tagebücher, seine Morgenseiten, die täglichen Gedichte, Kurzgeschichten und all die anderen literarischen Gehversuche erfüllen ihn mit Stolz. Er kann zu Recht den Satz „Ich möchte gerne Autor werden“ aus seinem Wortschatz streichen. Er hat es geschafft! Er betreibt kreatives Schreiben regelmäßig. Somit ist er Autor! Die ersten Sonnenstrahlen der Erfahrung treffen auf den Geist des potenziellen Schriftstellers. Noch bemerkt er es nicht: Der Schnee schmilzt langsam, aber stetig.

Aus dem Möchtegern ist ein eifriger Anfänger geworden! Er vertraut nicht länger der Muse, sondern dem Fleiß, wenn es um kreatives Schreiben geht.

Falls der Anfänger nur für sich schreiben will, endet hier die Reise. Kreatives Schreiben entwickelt sich dann zu einem erfüllenden Hobby. Es kann auch etwas ganz anderes passieren. Er ist süchtig geworden. Schreibsüchtig. Vier neue Fragen tauchen in seinem Geist auf, als der Schnee schmilzt.

Kann ich?

Hier darf man nicht den allgemeinen Mythen und Märchen Glauben schenken, wie ich es im Artikel über den Schnee auf der Landschaft geschrieben habe. Es gibt keine geborenen Schriftsteller und kein Meister fällt vom Himmel. Kreatives Schreiben kann man lernen, doch es erfordert viel Zeit zum Lesen, gute Bücher, Kraft, Geduld, Ausdauer, unterstützende Mitreisende und vor allem hervorragende Lehrer. Falls eine dieser Zutaten fehlt, wird es sehr schwer werden, das Handwerk zu erlernen und es zunehmend zu beherrschen.

Gute Bücher, welche kreatives Schreiben lehren, werden in diesem Blog nach und nach vorgestellt. Ich habe die Schreibratgeber nach dem Reifegrad des Autors eingeteilt und werde diese Werke nach und nach online stellen. Unterstützende Mitreisende findet man am besten in Schreibgruppen, die es in jeder Stadt gibt. Auch hier kann Doktor Google bei der Suche behilflich sein. Für Wien kann ich z. B. die Selbsthilfegruppe der Schreibabhängigen empfehlen, die sich ein Mal im Monat im Café Benno zum Schreibfrühstück trifft. Die Grazer Schreibgruppe trifft sich ebenfalls ein Mal monatlich.

Gute Lehrer findet man einerseits mit Glück in den Schreibgruppen bzw. in guten Schreibseminaren. Da diese Kurse mit Kosten verbunden sind, ist es wichtig, zuvor auf die Qualität der Seminaranbieter zu achten. Wenn das Seminar ein Lektor aus renommierten Hause oder ein mehrfach veröffentlichter Autor hält, kann man es getrost buchen. Besonders günstig bei hervorragender Qualität sind die Kurse an der Bundesakademie in Wolfenbüttel, wobei auch die Kritikfähigkeit trainiert wird.

Will ich?

Ja, natürlich. Wer will denn nicht Bestsellerautor sein?

Falsche Frage! Die Frage müsste lauten: Will ich mir die Mühen bis dorthin antun? Will ich mir den Kampf um einen Roman und jenen um einen seriösen Verlag antun? Will ich als Selfpublisher die Mühen der Marketingebene ertragen? Will ich die jahrelange Ungewissheit aushalten, bis es ein marktfähiges Buch gibt? Will ich akzeptieren, dass selbst eine Veröffentlichung bei Heyne, Bastei Lübbe oder blanvalet keine Garantie auf einen Bestseller bedeutet?

Wenn Sie diese Fragen mit einem überzeugten Ja beantworten können, dann ist Kreatives Schreiben etwas für Sie.

Zudem stellt sich die Frage, ob Sie bereit sind, langfristig andere Tätigkeiten hintanzustellen? Kreatives Schreiben ist harte Arbeit und bedarf viel Zeit, die bei anderen Aktivitäten abgeht.

Darf ich?

Diese Frage muss jeder für sich beantworten. Jeder muss sich selbst die Erlaubnis dazu geben. Die Gesellschaft schenkt einem erst die Legitimation, wenn man veröffentlicht ist und gibt einem unveröffentlichten Autor ungefähr das gleiche Prestige wie einem Sandler.

Die Unkenrufe gehen meist in die Richtung, dass man lieber etwas Vernünftiges machen und das Schreiben bleiben lassen soll. Jedoch war jeder veröffentlichte Autor früher unveröffentlicht und hatte mit genau diesem Problem zu kämpfen. Wenn diese Autoren der Gesellschaft oder den Nahestehenden die Macht gegeben hätten, über die Erlaubnis für Kreatives Schreiben zu entscheiden, gäbe es keine Romane. Diesem Umstand kann man auf dreierlei Art begegnen:

  1.  Man verschweigt es komplett und redet so lange nicht darüber, bis sich der Erfolg einstellt.
  2.  Man kann es einfach als Hobby runterspielen.
  3.  Die radikalste Lösung ist es, den Unken zu sagen, dass sie sich lieber um ihr eigenes Leben kümmern sollten und sie ohnedies das Risiko des Scheiterns nicht tragen.

Welchen Sinn hat es?

Diese Frage ist die wichtigste. Die persönliche Antwort auf diese Frage ist eine höchst intime und spirituelle Angelegenheit.  Jeder kann sie nur alleine für sich finden.  Diese Antwort entscheidet, wie lange man Kreatives Schreiben durchhält. Der Sinn hält sowohl unveröffentlichte als auch mehrfach veröffentlichte Schriftsteller sowie Bestsellerautoren bei der Stange.  Sobald man keinen (höheren) Sinn hinter dieser Tätigkeit erkennt, ist es klüger, Kreatives Schreiben bleiben zu lassen.

Der Schnee schmilzt – was ist nun zu tun?

Erstens. Freuen Sie sich darüber! Sie haben schon viel mehr erreicht als ein Großteil der Leute, die nur über Kreatives Schreiben träumen. Sie sind soweit, dass Sie regelmäßig schreiben und sich erste, ernsthafte Fragen über die Qualität Ihrer Texte stellen. Um die nächste Stufe auf dem Weg vom Möchtegern zum veröffentlichten Autor zu nehmen, gebe ich folgende Schreibtipps mit:

  • Lesen Sie jedes Monat mindestens einen Roman aus ihrem Lieblingsgenre.
  • Bleiben Sie dran – schreiben Sie weiterhin regelmäßig.
  • Lassen Sie ihre geschriebenen Texte ein Monat lang liegen und gehen Sie diese dann als Leser durch. Fällt Ihnen etwas auf? Kann man manche Passagen anders formulieren?
  • Besorgen Sie sich Schreibratgeber und probieren Sie die Tipps in ihren Texten aus.
  • Besuchen Sie eine Schreibgruppe und schauen Sie sich den Umgang der Teilnehmer miteinander an.
  • Legen Sie ihren Text (etwa drei bis fünf Seiten) der Gruppe zur Begutachtung vor. Hören Sie schweigend zu, was die Gruppe zu Ihrem Text zu sagen hat.
Einen Kommentar hinterlassen

Mastery – der Weg zur Meisterschaft

Mastery – der Weg zur Meisterschaft.

Der Längere Atem - Cover

Der längere Atem

In meinem letzten Artikel habe ich über den Weg zur Meisterschaft geschrieben. Jeder, der einen Weg gehen und eine Disziplin erfolgreich lernen will, hat mit den Plateaus der Stagnation zu kämpfen. George Leonard (1923 – 2010) hat sich mit dem Akido und dem Zen beschäftigt und dazu ein Buch verfasst, das ich den Lesern meines Blogs stark empfehlen kann. Es handelt sich zwar nicht um einen klassischen Schreibratgeber, aber die Lektionen dieses Buchs lassen sich wunderbar auf kreatives Schreiben anwenden.

George Leonard stellt uns zunächst die Meisterschaft in einer Disziplin vor, danach lernen wir den Unsteten, den Verbissenen und den Selbstzufriedenen kennen und wie sie sich vom Meister unterscheiden. Unstete beginnen immer wieder neue Projekte und schließen nie eines ab, Verbissene akzeptieren mangels Geduld die Plateaus der scheinbaren Stagnation nie, während Selbstzufriedene stets auf einem Niveau bleiben und nichts für Ihre Entwicklung tun.

Die fünf Schlüssel zur Meisterschaft

Mastery - der Weg zur Meisterschaft

Cover der Originalausgabe

Im zweiten Abschnitt seines Buchs gibt uns Leonard die wichtigsten Schlüssel mit, wie man in einer Disziplin zur Meisterschaft gelangt. Mit einem oder mehreren Lehrern ist es viel leichter möglich, typische Fehler zu vermeiden und man erspart es sich, das Rad stets aufs Neue erfinden zu müssen. Dabei ist es wichtig, auf die Qualität der Lehrer zu achten. Ein weiterer wichtiger Schlüssel ist das regelmäßige Üben. Es mag banal klingen, aber kreatives Schreiben lernt man nur durch kreatives Schreiben. Demut ist ein zentraler Wert, um sich laufend weiterzuentwickeln. Ohne Willenskraft und Zielstrebigkeit kommt man nie in den Zustand, seine eigenen Grenzen laufend zu testen.

Die Tools für die Meisterschaft

Im dritten Abschnitt erhalten wir wichtige Werkzeuge, um zum Erfolg kommen. Leonard erklärt, warum die meisten Vorsätze scheitern und was man dagegen tun kann. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie man die nötige Energie für die Meisterschaft bereit stellt. Natürlich macht es Sinn, sich mit den Fallstricken auf dem Weg zur Meisterschaft zu beschäftigen. Zuletzt liefert uns das Buch noch eine Checkliste und beantwortet die Frage, was einen Lernenden ausmacht. Die Bereitschaft, den weißen Gurt zu tragen.

Mastery kaufen Übersetzung kaufen Zurück zu den Schreibratgebern
Einen Kommentar hinterlassen

Wird Ihr Atem für einen Roman ausreichen?

Reicht Ihr Atem für einen Roman?Reicht Ihr Atem für einen Roman?

Einen Roman zu schreiben und ihn zu veröffentlichen, ist mit einem Marathon vergleichbar. Meistens reicht der Atem für einen Roman nicht. Es ist nichts für Feiglinge, die schnell und mühelos auf die Bestsellerlisten kommen wollen. In Wahrheit erfordert der Weg zum Schriftsteller ordentliches Durchhaltevermögen, bis man die Meisterschaft erreicht.  Neben der schlechten Nachricht (und dieser Artikel ist leider voll davon) gibt es auch eine gute: Das erfolgreiche Meistern einer Fähigkeit ist für alle möglich – dafür braucht man kein von Kindergartentanten, Volksschullehrern und Gymnasialprofessoren bestätigtes Supertalent. Man muss auch nicht mit Sieben mit dem Schreiben und Dichten begonnen haben, um darin erfolgreich zu sein. Jedoch erfordert der Weg zur Meisterschaft des Schreibens folgende wesentliche Dinge:

1.) Ausdauer

Ausdauer ist der lange Atem für einen Roman. Schaffen Sie es, ein Buch fertig zu schreiben oder geben Sie nach zwei Seiten auf, weil es halt doch nicht das geniale Meisterwerk wird und die Ideen ausgehen? Kein Fahranfänger erwartet sich, bereits nach zwei Fahrstunden ein Formel-1-Rennen zu gewinnen. Kreatives Schreiben soll jedoch so funktionieren? Es klingt nicht sonderlich sexy, dass der Weg zur Meisterschaft mindestens fünf Jahre an harter Arbeit erfordert. Wie Andreas Eschbach vor Jahren festgestellt hat, bedarf es gut 100.000 Wörter, um eine Stufe weiter zu kommen. Rechne also mit 100.000 geschriebenen Wörtern, um z. B. vom Orangegurt zum Grüngurt zu kommen. Danach müssen Sie für jede Stufe mit dieser Wortanzahl rechnen. Kreatives Schreiben bedeutet, dass der Weg zur erfolgreichen Veröffentlichung lang, steinig und schwer ist.

2.) Frustrationstoleranz.

Kreatives Schreiben ist ein sehr frustrierender Weg.  Es beginnt damit, dass man Sie wegen des vorherrschenden Genialitätsmythos müde belächelt. Es wird zum ersehnten Durchbruch wesentlich länger dauern als jemals rechnen. Das Erlernen des Handwerks bedarf viel Ausdauer und es wird dabei viele Rückschläge geben. Anfangs funktioniert der Text nicht so, wie man es sich wünscht. Man merkt, dass man oft etwas anderes schreibt, als man meint – und der Leser den Text nicht versteht. Dann funktionieren die Szenen nicht wie gewünscht; schließlich machen der Plot, die Figurenmotivation und das Exposé laufend Probleme. All das gilt es in den Griff zu bekommen, bevor man sich ernsthaft an eine Verlagssuche machen kann. Diese gerät wiederum zu einem Spießrutenlauf mit einer Unzahl an Absagen, bis man das Glück hat, einen Verleger zu finden, der sich an Ihr Manuskript wagt. Sobald das passiert, kommen die Leute auf Sie zu und sagen Ihnen, sie hätten es immer schon gewusst. Dann sind Sie derjenige, der müde dazu lächelt. Aber reicht Ihr Atem für einen Roman? Haben Sie die Kraft, es bis dorthin durchzuhalten und die vielen Rückschläge auszuhalten?

3.) Kritikfähigkeit

Wenn Sie den Schritt in eine Kritikgruppe wagen, wird ihr Text auseinandergenommen werden. Das Gleiche erleben Sie in guten Seminaren. Hier liegt die Kunst darin, sich die Kritik still anzuhören und dem Impuls zu widerstehen, den Text zu rechtfertigen. An der Bundesakademie in Wolfenbüttel ist es in diesen Runden nicht mal erlaubt, einen Pieps von sich zu geben, wenn die anderen Teilnehmer über Ihre Geschichte reden.
Kein »Nun, das habe ich aber so gemeint.« Im Buchgeschäft hat der Autor diese Möglichkeit auch nicht. Es zählt, was geschrieben steht und nicht das, was man gerne mitteilen möchte.
Zur Kritikfähigkeit zählt es, die Meinungen der Leser und professioneller Lektoren anzunehmen und seine Schreibe kontinuierlich zu verbessern. Dadurch überwindet man die Blindheit des Weißgurts und so beginnt ein Möchtegern, Lehrer zu suchen. In diesem Moment hat er den ersten Schritt getan – er ist ein Anfänger geworden, der sich dem kreativen Schreiben ernsthaft widmet.

4.) Die Kunst, Stagnation auf einem unbefriedigenden Niveau auszuhalten.

Show don’t tell!

Nach dem nächsten Besuch der Schreibgruppe hören Sie praktisch die gleiche Kritik. Öde, aber leider Realität. So geht das eine Zeit lang weiter. Man kriegt das Gefühl, dass man einfach zu dumm ist, es zu begreifen, was die Gruppe mit dem Gassenhauer show, don’t tell meint. Man hat sich intensiv bemüht und dennoch hört man diese Worte immer wieder: Zeigen, nicht einfach behaupten. Erst nach längerer Zeit bekommt man die handwerklichen Grundlagen besser in den Griff.

Figuren und Szenen

Doch dann tun sich nur neue Probleme auf. Entweder gestaltet sich die Szene zu einer flachen Aneinanderreihung von Sätzen, welche die Handlung keineswegs vorantreibt oder die Figuren handeln darin schlichtweg unlogisch. Es kommt nicht so selten vor, dass zum Beispiel ein schüchterner Mann urplötzlich einfach so zum Frauenheld wird oder dass dem Kommissar einfach so das nächste Indiz im Vorbeigehen geliefert wird. In manchen Szenen hat man es mit dem Setting übertrieben und jeden Murks beschrieben. Auf der anderen Seite gibt es Szenen, wo man nur erfährt, dass es halt in New York spielt. Abermals dauert es viele geschriebene Szenen, bis man das richtige Gespür dafür entwickelt.

Plot und Exposé

Endlich, so glaubt man, hat man das Rüstzeug für einen ganzen Roman, doch dem ist leider nicht so. Auf der nächsten Stufe kämpft man mit dem Plot. Bis man die Frage, was, wann und an welcher Stelle im Roman spielen soll, beantworten kann, fließt abermals viel Wasser die Mur runter. Ein weiterer mühsamer Schritt ist das Exposé. Die große Herausforderung besteht darin, einen 200 bis 400 Seiten langen Roman auf 3 Normseiten zusammenzufassen, sodass der Lektor versteht, worum es in der Geschichte geht. Dies mag sich banal anhören, doch in dieser Phase zählt jedes Wort und der Kampf um ein tragfähiges Exposé fühlt sich wie zermürbende i-Punkt-Reiterei an.

Verlagssuche

Schließlich garantiert das alles noch keinen Verlagsvertrag. Die Verlagssuche besteht aus einer Serie von bitteren Absagen, bis man einen Verleger findet, der sich ans frische Manuskript wagt. Sobald das Buch in der Buchhandlung zu finden ist, werden jene, die Sie müde belächelt haben, Ihnen erzählen, sie hätten es immer schon gewusst. Dann werden Sie derjenige sein, der darüber nur müde lächelt. Denn Sie haben gezeigt, dass Ihr Atem für einen Roman gereicht hat.

5.) Meisterschaft erlangen.

In unserer Gesellschaft wird die Erwartungshaltung gepflegt, alles müsse nur leicht, mühelos und rasch über die Bühne gehen, sofern man nur eine gute, positive Einstellung mitbringt. Natürlich ist Optimismus besser als Pessimismus, aber das als „positives Denken“ verkaufte Schönreden ist der direkte Weg ins Scheitern. Graphisch schaut die Erwartungshaltung und die Realität bei den Positivdenkern wie folgt aus:

In Wirklichkeit lebt der Positivdenker von Anfang an in einer Illusion. Doch die Realität, dass nichts passiert, lässt sich nur eine Zeit lang verdrängen. Der wunderbare Durchbruch bleibt aus, der Kosmos liefert einfach nicht. Das berühmte Geheimnis greift schlichtweg nicht, dafür wachsen zunächst unbewusst die Enttäuschung und der Frust. Bis schließlich nichts mehr geht. Bis der nächste Bestseller beim Universum bestellt wird.

Die meisten Menschen stehen jedoch mit beiden Beinen im Leben, sodass sie den Unsinn von den Bestellungen beim Universum nicht abkaufen. Sie erwarten sich, dass mit harter Arbeit ein kontinuierlich wachsender Erfolg einstellt. So nach dem Motto, dass man sich kontinuierlich mit jedem geschriebenen Wort verbessert. Auch das entspricht nicht ganz der Wahrheit.  In Wirklichkeit hat man beim Kreativen Schreiben mit Plateaus und Quantensprüngen zu tun. Dies sieht graphisch wie folgt aus:

Um einen Quantensprung zu erreichen, muss man auf demselben Niveau die berühmten 100.000 Wörter schreiben und sich der oft gleich lautenden Kritik stellen. Sobald sich die kritischen Bemerkungen inhaltlich ändern, hat man einen neuen Level erreicht. Dann geht das Spiel wieder von vorne los. Hier gilt es hartnäckig dran zu bleiben und den entstehenden Frust auszuhalten. Genau das braucht es, wenn Ihr Atem für einen Roman reichen soll.

Einen Kommentar hinterlassen

Willkommen im Buchquartier

WriteIn im Café Benno:

Am 11. Dezember 2011 traf sich die Selbsthilfegruppe der Schreibabhängigen im Wiener Traditionscafé Benno zum WriteIn. Nach einem netten Plausch mit den Kollegen arbeiteten wir kurz an unseren Projekten. Dabei besprachen meine neue Version des Exposés zum Todesernst. Zu meiner Erleichterung entdeckte die Gruppe keine groben Fehler.  Dennoch fand die professionelle Lektorin Annette Scholonek noch einige Verbesserungspotenziale, an denen ich zurzeit arbeite.

Willkommen im Buchquartier

Willkommen im BuchquartierDanach machten wir uns auf den Weg zur Buchmesse im Museumsquartier. Zunächst hegte ich  keine sonderlich hohen Erwartungen, womit ich  im positiven Sinne enttäuscht wurde. Beim Buchquartier handelt es sich um eine Messe für Kleinverlage und Unabhängige. Natürlich zog die Veranstaltung auch manch Fragwürdiges an wie jenen Verlag, der eine krude Interpretation der Immunologie herausgab. Im Gespräch mit der Verlegerin dieses Werks stellte sich klar die typische alternativmedizinische Sichtweise heraus, dass halt die innere Einstellung die Krankheit verursache. Dass diese Meinung erstens wissenschaftlich nicht haltbar und zudem jedem Kranken die Schuld aufbürdet, dürfte dieser Dame egal sein. Also schnell weiter zu positiven Erscheinungen dieser kleinen Buchmesse.

Es gibt viele seriöse Kleinverlage.

Die erste positive Überraschung war, dass ich hier keinen unseriösen Druckkostenzuschussverlag angetroffen habe. Die zweite gute Nachricht war, dass dort sehr viele seriöse Kleinverlage ausgestellt haben. Im Unterschied zu den verkappten Selfpublishern liegt darin, dass diese Verlagshäuser erstens fremde Werke publizieren und zweitens zwar ein kleines, aber feines und vor allem ein klar abgegrenztes Verlagsprogramm führen. Die dritte große Überraschung war die hohe Anzahl an Verlagen, die sich auf die E-Literatur fokussiert haben. Entgegen meiner Meinung dürfte es einen größeren Markt für die hohe Literaturkunst geben und diese Werke zumindest gekauft werden.

Beispiel eines seriösen Kleinverlags – Federfrei

Mit dem Inhaber des Federfrei – Verlages konnte ich ein interessantes Gespräch über das Leben eines Verlegers führen. Dieser Kleinverlag hat sich vor allem auf österreichische Regionalkrimis spezialisiert. So führte Herr Wolfgang Mayr aus, dass es für einen Kleinverlag sehr schwer ist, sich im deutschen Markt durchzusetzen, zumal die großen Verlagshäuser über ein wesentlich größeres Werbebudget verfügen.

Hauptautor dieses Hauses ist Günther Zäuner und die Prophetin des Todes von Helga Weinzierl hat mich derart angesprochen, dass ich es umgehend vom Verlagstisch abgekauft habe.  Dabei geht es um einen Mord in Esoterikerkreisen, der von einer angeblichen Hellseherin prophezeit worden ist. Es steht auf meiner Leseliste und ist an der Reihe, sobald ich mit der Lektüre des Jesus-Deals von Eschbach fertig bin.

 

Wie läuft es mit den Manuskripten?

Nina Dreist führte parallel ein Gespräch mit dem Verlag nebenan, wobei ich später dazu stieß. Diese Unterhaltung drehte sich um den Umgang eines Kleinverlages mit unverlangt eingesandten Manuskripten.

Pro Woche erhält dieser Verlag etwa zwei bis fünf Manuskripte pro Woche, also zwischen 100 und 300 jährlich. Der Bastei-Lübbe-Verlag erhält pro Jahr etwa 6000 Manuskripte. Natürlich bekommt ein Kleinverlag deutlich weniger Angebote und diese haben meist nicht die nötige Qualität, sodass sie bereits bei der ersten Seite scheitern. Diese Verlegerin legt nicht sonderlich viel Wert auf das Exposé, zumal gute Exposés nicht immer gute Romane versprechen – für sie muss der Roman überzeugen.

Nach der Auswahl guter Manuskripte geht es immer wieder in die Diskussion mit dem Verlagsteam. Hier wird oft aus drei guten Einsendungen ein exzellentes Manuskript ausgewählt, das vom Verlag zum Buch gemacht wird.

Und wenn es nicht klappt?

Man erhält eine Absage und diese lautet in der Regel: »Vielen Dank für ihr Manuskript, aber leider passt ihr Werk nicht in unser Programm.« Weicht die Absage von diesem Standardtext ab, so hat man zumindest die Hürde genommen. Je individueller eine Absage wird, desto tiefer ist es in den Auswahlprozess gestoßen. Wenn man mit seinem Text im Finale ausscheidet, so bekommt man bereits eine gute, individuelle Absage. Egal, was in so einem Text steht, es ist bereits ein Grund zur Freude.

Einen Kommentar hinterlassen

Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein hoffentlich besseres 2017!

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Dieser Blog geht nun in die Winterpause und wird in der zweiten Woche im Januar wieder aktiv werden.

Meine Vorsätze für das neue Jahr

Ich werde das neue Jahr mit einem Bericht über den Besuch der kleinen, aber feinen Buchmesse namens Buchquartier in Wien.

Im neuen Jahr plane ich eine Artikelserie über diverse Schreibratgeber sowie eine weitere Serie über die einzelnen Stufen auf dem Weg vom Möchtegern zum Schriftsteller. Ich werde in mehreren Artikeln die notwendigen Schritte aufzeigen, um jeweils eine Stufe weiter zu kommen. Zuletzt wird es einen Test geben, mit dem Sie sich selbst einschätzen können, wo genau Sie sich auf dem Weg zum veröffentlichten Autor befinden.

Ein paar Artikel werden sich mit  den Machenschaften von unseriösen und halb-seriösen Verlagen beschäftigen.

Good Bye 2016

2016 war ein sehr turbulentes Jahr. Weltpolitisch hatten wir es mit schweren Erschütterungen zu tun. Zur Flüchtlingskrise kamen die Tragödie von Aleppo und die Katastrophen des Brexit und der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA hinzu. In meinem Wirken musste ich die Verlagssuche meines Romans Todesernst unterbrechen und noch eine weitere Überarbeitungsrunde einlegen, die nach wie vor andauert.  Doch es gibt positive Aspekte dieses Jahres. Mit der Wahl Alexander van der Bellens zum Österreichischen Bundespräsidenten haben wir Österreicher ein Zeichen für Freiheit und Vernunft gesetzt.  In diesem turbulenten Jahr wurde auch diese Webseite und dieser Blog geboren. Dennoch handelt es sich bei 2016 um ein Jahr, das ich gern in die Geschichte verabschiede.

Frohe Weihnachten

Doch nun ist die Zeit gekommen, sich der Stille der Weihnachtszeit zu widmen. Feiert mit euren Liebsten ein friedvolles und besinnliches Fest und rutscht gut in das neue Jahr 2017.

[DISPLAY_ULTIMATE_PLUS]

 

Einen Kommentar hinterlassen

Kann man die Reife eines Textes beurteilen?

Kann man die Reife eines Textes beurteilen? Ist das überhaupt möglich oder gilt ohnedies nur die Freiheit der Kunst. Woran erkennt man den  Unterscheid zwischen einem schlechten Text und einem hervorragend geschriebenen Buch? Diese Fragen beschäftigen sowohl blutige Anfänger genauso wie erfahrene Autoren. Daher habe ich die Lektorin Annette Scholonek gebeten, über dieses Thema einen Gastartikel zu verfassen.

Annette ScholonekIm Lektorat von Manuskripten hat Frau Scholonek rund zehn Jahre Erfahrung und im kreativen Schreiben noch mehr. Auf die Literatur- und Verlagswelt blickt sie aus verschiedenen Perspektiven. Sie kennt die Sicht des Autors, des Lektors, des Verlegers und des normalen Lesers. Sie ist studierte Germanistin und Soziologin mit Abschlussnote 1,0.

Professionell lektoriert sie Bücher vieler Genres, Romane ebenso wie Sachbücher. Zu den zufriedenen Kunden kann sie auch mich zählen, auch und sogar weil sie sich nicht scheut, Schwächen eines Textes schonungslos aufzuzeigen. Ihre Schwerpunkte in der Belletristik sind Fantasy, Jugendbuch und andere Genres der Phantastik, etwa Vampirromane, Mystery und Science Fiction. Insgesamt konzentriert sie sich auf Unterhaltungsliteratur wie Thriller, Krimi, Liebesroman und Crossovers von Genres. Weiterhin schätzen Kunden ihr Lektorat bei den Biografien und bei anderen Texten.

Bei Interesse an einem Lektorat kann man sich direkt an sie wenden, indem man auf folgende Mailadresse schreibt: professionelles-lektorat@t-online.de

Lassen wir nun Frau Scholonek zu Wort kommen:

Level 1: blutiger/unterdurchschnittlicher Anfänger

Man sieht dem Text bereits auf den ersten Blick an, dass der Schreiber von einer logischen, glaubwürdigen, unterhaltsamen Storyline, in sich schlüssigen Szenen und Charakteren sowie von einem sauberen Stil und Rechtschreibung überhaupt keine Ahnung hat. Es herrscht das reinste Chaos auf vielen Ebenen. Der Autor mag Filme schauen, Videospiele spielen und in Foren herumschreibseln – Bücher hat er mit Sicherheit so gut wie nie gelesen und sein Wissen über Geschichten zieht er aus Filmen, allseits bekannten Geschichten etc. Dennoch hat offenbar auch er das Bedürfnis, unbedingt ein Buch zu schreiben, oder er ist durch irgendwelche „Jeder kann schreiben“-Werbung auf den Geschmack gekommen. Manche dieser Autoren sind noch Kinder/Jugendliche, bei anderen ist Deutsch nicht die Muttersprache und wieder andere sind deutschsprachige Erwachsene, die sich tatsächlich leidenschaftlich am Bücherschreiben versuchen, obwohl sie aus einem eher bildungsfernen Milieu zu kommen scheinen. Noch andere schreiben aufgrund von persönlichen Schicksalsschlägen o. ä. Letztere wissen immerhin, dass sie keine großartigen Künstler sind, aber sie wollen ihre ganz besonderen Erfahrungen in Buchform mit anderen teilen. Einen seriösen Verlag werden diese Autoren garantiert nie finden und der Lektor betreibt hier mitunter mehr Übersetzung und Ghostwriting, um zumindest ein „leserliches Ergebnis“ zu präsentieren. Auf diesem Level fangen viele Autoren aber erst gar nicht an. Viele starten auf Level 2 bis 3 – gerade jüngere (16 bis 35 Jahre). Hingegen starten belesene, ältere Autoren jenseits der 40 bisweilen auf Level 4 oder sogar 5. Ein Lektor hebt das Niveau dieses Textes etwa auf Level 3 bis 4 (nur formell ist der Text dann fehlerfrei).

 

Level 2: normaler Anfänger

Man merkt auch diesen Texten schnell an, dass der Autor in Sachen Storyline, Stil und Form sehr unsicher ist und eher ausprobiert und zufällig manche Treffer landet, statt Ahnung hat. Mal schreibt er stilistisch zufällig richtig und originell, mal nicht (häufig nicht). Mal ist die Story zufällig logisch, mal nicht. Spannung verwechselt der Autor häufig mit platten Effekten und schon viele Klischees sind für sein Gefühl „originell“ sowie „neu am Markt“. Oder er verliert sich in „netten, trockenen, behäbigen Textblöcken“, in spannungsfreiem Infodump, Rückblenden, Alltagsallerlei und ähnlichen Nebensächlichkeiten, sodass man sich fragt, was der Autor eigentlich erzählen will und ob dies ernsthaft erzählenswert ist. Ersteres tun eher jüngere Autoren (filmische Effekthascherei), Letzteres (behäbiges Alltagsallerlei) eher ältere. Seriöse Verlage werden auch diese Autoren garantiert nicht finden. Dazu fehlt dem Stil und/oder der Story einfach das grundsätzliche Potenzial. Diese Autoren arbeiten oft mit Klischees und Versatzstücken auf Stil- und Inhaltsebene, es ist eine unsensible Erzählweise, wo alles so geschrieben wird, wie es dem Autor spontan in den Kopf kommt. Weder in Originalität noch in Logik punkten sie. Oder die Logik ist zwar da, aber der Text ist nahezu frei von Spannung und Unterhaltungswert. Fasst man Texte von Level 2 zu Exposés zusammen, werden große Schwächen im Handlungskonzept offensichtlich. Dann kommt heraus, wie wenig logisch und wie wenig überzeugend motiviert viele Handlungsabläufe sind bzw. dass Handlungselemente gar nicht plausibel zusammenhängen, von einem überzeugenden Finale ganz zu schweigen. Entweder gibt es dort platte Lösungen oder so etwas wie ein Finale fehlt komplett. Diese Autoren schreiben aus Intuition heraus, von Schreibkursen, Schreibhandwerk etc. haben auch diese Autoren bisher nichts gehört. Ein Lektor hebt das Niveau dieses Textes ca. auf Level 3 bis 5 (nur eben formell ist das Werk dann fehlerfrei).

 

Level 3: leicht Fortgeschrittener

Diese Autoren machen aufgrund ihrer Allgemeinbildung entweder von Anfang an schon etliches richtig oder fangen gerade an, die ersten Ratschläge von Schreibratgebern umzusetzen. Das Ergebnis sind Storys und ein Sprachstil, wo man sich im Rahmen der noch beschränkten eigenen Fähigkeiten zumindest Mühe gegeben hat, bei der Handlung, den Figuren, dem sprachlichen Ausdruck und der Rechtschreibung möglichst viel richtig zu machen. Auch mittelmäßige Fanfiction hat häufig dieses Niveau. Relativ ungebildete Leser werden diese Autoren vielleicht aufrichtig loben, was für gute, nette Geschichten sie erzählen, und der Stil geht für sie auch in Ordnung. Treten diese Autoren dann in Fachkreise ein, wird ihr Text trotzdem „auseinandergenommen“. Auf den ersten Blick mag der Text halbwegs solide gewirkt haben, aber in der Summe und bei einem schärferen Blick gibt es einfach zu viele Stellen, wo trotzdem Schwächen aller Art bestehen. Analytikern und belesenen Lesern fallen sie schnell auf. Die leicht Fortgeschrittenen staunen dann, worauf man noch alles achten kann und dass sie noch nicht so weit sind, wie sie dachten. Abgesehen von einer mittelmäßigen Menge an echten Schwächen in Story, Stil und Form haben Texte von Level 3 oft das Grundproblem, dass bei Story und Stil das gewisse Etwas fehlt, das Potenzial, die Originalität. Man merkt, dass die Autoren zwar auf „einfache Art“ solide erzählen können, zweifelt aber als Lektor daran, dass diese Autoren es jemals über dieses Niveau hinausschaffen und das Geheimnis ergründen, was einen 08/15-Text von einem hochwertigen Text unterscheidet. Etliche Autoren tüfteln, rätseln, überarbeiten und hören sich diverse Kritiken an und kommen doch nie über Level 3 hinaus. Ein guter Lektor kann den Stil und die Story durch viel Einsatz auf die Qualität von Level 4 bis 5,5 bringen (wobei es auch darauf ankommt, was das Grundkonzept von einem konkreten Manuskript möglich macht). Ein mäßiger Lektor wird den Text zwar fehlerfrei und den Ausdruck stilistisch sauber machen, aber in Sachen Spannung, Unterhaltungswert, optimaler Struktur, flüssiger Lesbarkeit und insbesondere bei der stilistischen Originalität und Professionalität wird er den Text auf Level 3 belassen. Dies ist eine sehr einfache Stilebene, kombiniert mit einer schon oft da gewesenen Storyline. Typisch für Level 3 sind etwa Beschreibungen wie: „Sie hat braunes Haar, ihre Augen sind blau.“ – Das ist zwar sauber formuliert, aber frei von jeglicher Raffinesse (und nach diesem Schema ist dann das ganze Manuskript, zwar formell recht ordentlich, aber ohne einen Hauch von Einfallsreichtum). Ähnlich sieht es mit den Storys selber aus, die oft platte Kopien von Bestsellern sind, etwa „Herr der Ringe“. Sosehr sich diese Autoren auch abmühen und hier und da etwas an ihren Texten verbessern, bei Verlagen haben sie als unbekannte Autoren mit solchen Konzepten so gut wie keine Chance und bei Agenturen und großen Verlagen erst recht nicht. Dazu ist die Qualität zu gering und die Konkurrenz einfach zu groß. Gerade als Exposé zusammengefasst fällt auf, dass diese Storys schon oft existieren – und zwar von Profis oft in weit besserer Form erzählt. In Exposés von Level-3-Autoren fallen ähnliche Schwäche wie bei Level-2-Autoren auf, zwar weniger stark, aber immer noch stark genug, um die Fachwelt nicht täuschen zu können. Manches kann man im Exposé allenfalls kaschieren und durch sprachliche Kniffe überzeugender darstellen, als es ist.

 

Level 4: Fortgeschrittener

Diese Autoren entwickeln inhaltlich gesehen ähnliche Storys wie die Autoren von Level 3, leisten sich aber deutlich weniger von all diesen kleineren und größeren Fehlern aller Art. Der Effekt davon ist, dass diese Manuskripte für den Lektor auf den ersten Blick so aussehen, als seien sie – von „den üblichen“ kleineren stilistischen und formellen Schnitzern abgesehen – fehlerfrei. Der Sprachstil und die Erzählweise sind zwar nicht „genial“, aber ordentlich genug und mit ein wenig zweckdienlicher Originalität versehen. Ab Level 4 merkt ein Lektor, dass der Autor ernsthaft Ahnung vom Schreiben hat. Er weiß, wie man etwas stilistisch formulieren muss, damit es „richtig“ ist und der Text sich recht fließend liest. Ebenso kennt der Lektor eine gewisse Sensibilität, was die Gestaltung von Figuren und Handlung betrifft. Entweder hat der Autor schon viel geübt oder aufgrund seines Berufes und seiner Allgemeinbildung sowie dem Lesen von diversen Büchern schon vieles richtig gemacht. Er bemüht sich um einen flüssigen Stil und auch darum, ansprechend zu erzählen. Die Storys gestaltet er so, dass weitgehend logische Geschichten entstehen. Der Autor ist nahezu sicher im Schreibhandwerk, kennt die gängigen Rezepte für Stil und Story und wendet sie an. Ab Level 4 kann ein Autor sich zumindest Hoffnungen machen, für sein Manuskript einen seriösen Verlag zu finden. Diese Autoren schreiben zumindest schreibhandwerklich betrachtet hinreichend lesenswerte Bücher. Nach dem Lektorat ist hier qualitätsmäßig gesehen kaum zu unterscheiden, ob hier ein unbekannter Selfpublisher oder ein 08/15-Verlagsautor geschrieben hat. Selbst für belesene Leser ist es ein „ganz normales Buch“. Level-4-Autoren haben aber folgende Probleme: Erstens sind sie in unserer heutigen Zeit mit ihrem Talent nicht alleine. Auch viele andere Autoren schaffen Level 4 und entsprechend viele Manuskripte dieser (relativ hohen) Qualität landen auf Verlagstischen. Zweitens sind viele Geschichten von der Sorte „ganz nett, aber nicht großartig“. Das reicht einfach nicht, um in der Masse deutlich gesehen zu werden – es sei denn, man hat gerade viel Glück. Level-4-Storys sind zwar genügend ansprechend geschrieben, um zu unterhalten, aber es fehlt das gewisse Etwas an Spannung und Originalität. Oft sind die Geschichten schon oft da gewesen und bereits vielfach kopiert worden. Level-4-Autoren erzählen höchstens gleich gut wie ihre Vorbilder. Daher stellt sich bei Level-4-Manuskripten häufig die Frage: „Warum sollte man von xx Büchern ausgerechnet dieses kaufen, lesen oder verlegen? Wo ist das entscheidende Plus gegenüber der Konkurrenz?“ Etablierte und berühmte Autoren werden mit Level-4-Manuskripten bisweilen durchkommen. Unbekannte Autoren müssen oft bessere Qualität bieten, wenn sie von Verlagen gesehen werden wollen. Bei Level-4-Manuskripten fehlt häufig von allem etwas, was auch im Exposé deutlich wird: Die Handlung ist zwar im Kern logisch, aber: etwas zu kompliziert, etwas zu konstruiert, am Rande der Glaubwürdigkeit, zu ruhig, zu wenig spannend, zu wenig konfliktreich, das Ende zu offen … Und die Figuren sind zwar plausibel, aber: Sie könnten mehr Tiefe haben, sie könnten noch aktiver handeln, noch etwas mehr Emotionen zeigen, etwas schneller zur Sache kommen, in Dialogen mehr Charme versprühen … Und die Beschreibungen des Settings sind zwar angemessen, aber sie könnten: noch etwas mehr Kreativität haben, noch etwas authentischer sein … Auch der Stil ist zwar gut, aber: Er hat keinen Wiedererkennungswert, der Wortschatz ist etwas schmal, die Sprache insgesamt etwas zu einfach, etwas zu trocken … Alles in allem gibt es also viel „könnte“. Es könnte von vielen etwas mehr sein. Und nicht zuletzt: Das Konzept und die Thematik könnten noch deutlich markttauglicher sein. Werke von Level 4 wirken nicht wirklich bestsellerverdächtig, sondern nur wie Mittelfeldspieler, wenngleich manche trotzdem zu Bestsellern werden. Ein Lektor kann dabei helfen, ein Werk von Level 4 auf Level 5 oder 6 zu erhöhen. Ebenso kann er mögliche Gründe aufdecken, warum es bei diesen auf den ersten Blick gut geschriebenen Büchern doch nicht für einen Verlagsplatz reicht. Dennoch hinterlassen diese Autoren bei Verlagen (jedenfalls die stärker fortgeschrittenen) einen guten Eindruck.

 

Level 5: Profi

Autoren von Level 5 haben den Dreh endgültig raus: Sie wissen nicht nur, wie man „ordentlich“ erzählt (also brav seine literarischen Hausaufgaben macht), sondern auch, wie man Spannung und Erwartung auf intelligente/hochwertige (!) Art erzeugt und den Leser mit Kniffen gezielt unterhält. Stilistisch sind sie nicht nur sicher, sondern auch einfallsreich, und sie können mit Worten jonglieren. Diese Autoren kennen die gängigen Synonyme für ordentlich Abwechslung im Wortschatz und haben die Feinheiten des Satzbaus entschlüsselt, sodass sie stets fließend und leicht verständlich schreiben, ohne dabei zeitweilig in gewisse Schemata, Wiederholungen und Eintönigkeit zu verfallen, wie dies bei Level-4-Autoren noch vorkommen kann. Das merkt man bei den letztgenannten Schreibern oft erst nach längerem Lesen. Da sieht man die Grenzen der Level-4-Autoren im Ausdruck, im Spannungsbogen, im Humor etc., die Level-5-Autoren zu überwinden wissen. Ab Level 5 lässt sich eine Geschichte für gewöhnlich so überzeugend im Exposé zusammenfassen, dass sie sich im Exposé nicht nur logisch und glaubwürdig präsentiert, sondern auch spannend und bemerkenswert gut strukturiert erscheint, ohne kompliziert oder konstruiert zu wirken. Bei Profis hat die Handlung ein gutes Tempo, ohne dass Figuren und Setting auf der Strecke bleiben, und nicht zuletzt: Die Autoren wirken thematisch nahezu sattelfest in der Materie. Das ist bei Level-4-Autoren noch weniger der Fall. Wenn Level-5-Autoren von einem Fachgebiet wie zum Beispiel Robotern schreiben, dann muten die Texte so an, als ob die Autoren wissen, worüber sie schreiben. Wo Level-4-Autoren sich lieber vorsichtig vage-abstrakt halten, werden Level-5-Autoren konkret. Das gilt auch für die Beschreibungen von Liebeszenen, Action-Gefechten etc. Ein Indiz für das Niveau 4,5 bis 5 ist es, wenn Autoren von einigen Verlagen und Agenturen nicht mehr bloße Standardabsagen erhalten, sondern entweder individuell begründete Absagen erhalten oder wenn mancher Verlag nach Prüfung von Exposé und Leseprobe zumindest das ganze Manuskript anfordert. Bekommt ein Lektor eine Leseprobe von einem Level-5-Autor, sieht er sehr schnell, dass hier ein Profi schreibt, der zumindest stilistisch locker an das Niveau von Verlagsbüchern heranreicht oder dieses teilweise überbietet. Ein scharfsinniger Lektor kann dennoch hier und da kleinere Schwächen im Stil und auch in der Handlung finden. Mitunter macht ein solcher Autor es sich hier und da etwas zu leicht, löst einen Konflikt etwas zu schnell oder etwas zu billig auf, hält den Spannungsbogen etwas zu kurz aufrecht oder die Figuren handeln/reden nicht immer zu 100 Prozent gemäß ihrem Charakter – und ähnliche Dinge. Nach dem Lektorat kann ein Level-5-Text noch deutlich besser und „perfekter“ sein, wobei der Lektor selbst einen solchen Text eher nicht auf Level 6 heben wird (dieses Niveau muss der Autor in der Regel selbst mitbringen), allenfalls auf 5,5. Gerade auf den sagenhaften zweiten oder dritten Blick fallen doch einige Dinge auf, wo der Autor nachbessern könnte oder wo noch ungenutztes Potenzial ist. Manche dieser Schwächen können trotz allem entscheidende Faktoren sein, gerade beim Thema Verlagszusage/-absage, aber die Beseitigung vieler Schwachpunkte ist eher optional und das Buch käme auch mit ihnen bei vielen Lesern gut weg.

 

Level 6: Vollprofi

Level-6-Autoren mögen ihre individuellen Schwächen und Macken haben, aber in den wirklich wichtigen Punkten überbieten sie oft den Lektor. So kennen sie nicht nur die gängigen Spannungs- und Orginalitätsrezepte der Level-5-Autoren, sondern sie haben auch einen bemerkenswert großen Wortschatz und bemerkenswert umfangreiche Recherchekenntnisse bzw. Welterfahrung, die man sich kaum systematisch antrainieren kann. Sie wissen noch besser mit Worten zu jonglieren als Level-5-Autoren, zum Beispiel weil sie ihren Text nicht nur mit gängigen Synonym-Spielen ausschmücken, sondern auch mit einer kreativ-journalistischen, individuellen Originalität. Diese Autoren haben einen hohen Wiedererkennungswert. Man kann das literarische Schreiben bis zu Level 4 systematisch üben, wenn man halbwegs begabt ist, und es mit genügend literarisch-sprachlicher Intelligenz auch bis zu Level 5 schaffen. Aber die Tiefe, Sicherheit und Authentizität von Vollprofis wird man so kaum erreichen. Level-6-Autoren schaffen es auf ihre ganz besondere, eigene, authentische Art, Atmosphäre in einem Roman zu erzeugen, und haben bisweilen tiefgreifende Kenntnisse auf romanrelevanten Fachgebieten. Dass ihre Geschichten in Exposés überzeugen, versteht sich von selbst. Da folgt alles für gewöhnlich schlüssig Schlag auf Schlag und auch das Finale samt Auflösung des Konfliktes ist beeindruckend. Nicht jeder Bestseller-Autor ist ein Vollprofi, aber gerade Klassiker reichen an diese Stufe heran. Oft sind Autoren auch nicht in allen Dimensionen Vollprofis. Sehr viel häufiger ist der Fall, dass ein Autor entweder stilistisch oder im Spannungsbogen oder in authentischer Figurengestaltung oder in Recherche oder in Fantasie/Vision ein Vollprofi ist, aber nicht in allem gleichzeitig. Und dann gibt es noch Vollprofis in dem Sinne, dass ein Autor praktisch immer weiß, welchen Romanstoff er wählen muss und wie er ihn präsentieren muss, um fast immer einen Verlagsvertrag zu erhalten oder seine Bücher als Selfpublisher zu verkaufen. Das Ergebnis mag für Laien nur wie ein Level-4-Buch aussehen, aber es sind die vielen feinen Unterschiede, warum das eine Werk angenommen wurde und das andere nicht. Vollprofis haben einfach das gewisse Etwas, sie wissen den Nerv der Zeit und des Marktes herausragend gut zu treffen und sind quasi immer zur richtigen Zeit mit dem richtigen Buch am richtigen Ort. Natürlich hängt es auch sehr von der Werbung ab, wie gut ein Buch sich verkauft, aber dieses gewisse Etwas spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Und das ist der Unterschied zu den Level-5-Autoren. Level-6-Autoren sind praktisch per Definition erfolgreich. Manche Level-5-Autoren haben zwar den Dreh raus, wie man literarisch hochwertig und wirklich spannend schreibt (objektiv betrachtet), aber Level-6-Autoren wissen besser, wie man den Leser wirklich anspricht und mitreißt.

Lektorin Annette Scholonek

www.professionelles-lektorat.de

Einen Kommentar hinterlassen

Dritte Woche beim Nanowrimo – ein logistisches Desaster

Die dritte Woche beim Nanowrimo – Ein logistisches Desaster

Die dritte Woche beim Nanowrimo geriet zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle, die sich bereits in der Vorwoche angedeutet hatte. Leider habe ich nanowrimoes nicht geschafft, den Nanowrimo – Bericht wie vorgehabt alle Wochen abzuliefern. Zu sehr hat mich das Projekt, einen Roman in einem Monat zu schreiben, in den Bann gezogen. Somit haben sämtliche anderen Aktivitäten in meinem Leben darunter gelitten. Dies war der Preis, den ich für die Erkenntnis zahlen musste, dass der nanowrimo dem Schreibenden nicht nur vor einer schriftstellerischen, sondern auch vor eine logistischen Herausforderung stellt.

Nanowrimo SiegesflaggeDer Kampf um Nano – Jima.

Die dritte Woche ging mit mehr Elan über die Bühne, da ich den Trump-Schock langsam verkraftete. Ich konzentrierte mich wieder auf die Herausforderung, zumindest die 50.000 Wörter in den Computer zu klopfen und nach Möglichkeit die Neufassung des »Todesernst« bis zum Monatsende zu schaffen.

Die Tage zogen mit enormen Tempo ins Land. Rasch zeichnete sich ab, dass ich mein zweites Ziel nicht mehr erreichen kann. Es folgte Szene um Szene, doch es dauerte gut 46.000 Wörter bis zum Mord am Brautpaar, womit ich erst Ende der dritten Woche am Midpoint des Romans ankam.

Wie das Wort Midpoint es schon sagt, ist nochmals die gleiche Strecke bis zum Wörtchen Ende zurückzulegen. Der Umfang stieg somit auf 92.000 Wörter (also weit mehr als die geplanten 80.000) und dies ist definitiv außer meiner Reichweite für den November 2016.

Also gab ich mit der offiziellen Marke von 50.000 zufrieden und gewann so den Nanowrimo am 23. 11.

Logistische Schwierigkeiten

»You defied gravity this month!« – Sie haben die Schwerkraft in diesem Monat besiegt!

Dieser Spruch, den man im Winner – Video zu lesen bekommt, kann ich vollauf unterschreiben. Die Anziehungskraft, welche einem am Verfassen eines Romans hindert, ist vielfältig und es handelt sich meist um die üblichen Verpflichtungen, die man im Leben so hat. (Partner, Kinder, Arbeit, Finanzen, usf.)

Oft ist es die Dringlichkeit aus diesen Bereichen, die einen Autor vom Schreiben eines Romans abhalten. Jeder der den Nanowrimo gewinnt, hat genau diese Kräfte in diesem Monat besiegt – aber sie ziehen natürlich weiter.

Ich hatte mich auf diese Herausforderung nicht korrekt eingestellt und somit kam es immer wieder zu dringenden Problemen, die ich entweder verschob und sie damit noch pressierender machte oder die mich zwangen, das Romanschreiben in die Nachtstunden zu verlegen.

Dieser Umstand hat dazu geführt, dass ich knapp nach dem Sieg beim Nanowrimo einige richtige Feuerstellen löschen musste.

Daher ist es m. E. wichtig, dass man im Zuge der Vorbereitungen auf den Nanowrimo  auch die logistischen Rahmenbedingungen nicht außer Acht lässt. So wäre es empfehlenswert bereits im September und Oktober:

  • die Familie auf das Kommende einzustimmen.
  • eventuell für Babysitter zu sorgen
  • die Rechnungen für den November auch gleich im Oktober zu begleichen, sodass auf dieser Front Ruhe herrscht. Nichts ist lästiger als unnötige Mahnungen.
  • eventuell als Angestellter eine Woche Urlaub zu nehmen (dies ist natürlich auch eine Herausforderung, die man mit dem Arbeitgeber und der eigenen Urlaubsplanung zu klären hat.)
Einen Kommentar hinterlassen

Zweite Woche beim Nanowrimo – ein Durchhänger

nanowrimoTag 8: Durchbruch in den zweiten Akt. (3269/23383 Wörter)

Die zweite Woche beim Nanowrimo ist unter den Autoren gefürchtet. Meist ist nach einer enthusiastischen Startwoche die Luft draußen. Auch mir ging es da nicht anders. Sie begann gut, aber es kam zum Durchhänger. Er zeigte sich darin, dass ich in dieser Woche deutlich unter dem Wordcount der ersten Woche  bleiben sollte. Das fiel mir jedoch noch nicht am ersten Tag auf – hier hatte ich noch mit keinerlei Problemen zu kämpfen und die ersten Szenen konnte ich mit geringen Korrekturen aus dem alten Todesernst übernehmen.

Tag 9 und 10: Schwächeanfall nach Wahlniederlage (1861 bzw. 1609/26833 Wörter)

Der zweite und dritte Tag gingen völlig belastet über die Bühne, da mich der Wahlsieg von Donald Trump sehr zu schaffen machte. Dass jemand mit Lügen, Sexismus und polterndem Auftreten eine Präsidentenwahl gewinnen kann, habe ich zwar befürchtet, aber trotzdem nicht für möglich gehalten. Am Tag nach der Wahlnacht kam ich mir vor, wie ein kleines Kind, dem etwas „Schreckliches“ passiert ist. So klammerte ich mich beim Bäcker an die gerade gekauften Mohnweckerl wie ein Vierjähriger an seinen Teddy.  Nachmittags surfte ich im Internet herum und ließ beim Schreiben stark nach. Als Resultat konnte ich in zwei Tagen ungefähr so viel Wörter einloggen, wie ich zuvor an einem Tag geschafft hatte. Zudem kam noch eine Erschwernis hinzu: Erstmals mussten Szenen völlig neu geschrieben werden und es standen auch größere logische Korrekturen an.

Tag 11: Der Durchhänger in der zweiten Woche manifestiert sich (2133/28966 Wörter)

Zwar gelang es mir nur noch mit enormer Anstrengung meine Wortzahl zu steigern, aber ich hatte massiv mit Müdigkeit zu kämpfen. Im Roman kam es erstmals zu einer massiven Überarbeitung einer Szene, die aus zwei alten Szenen auf Seite 120ff und 191ff des alten Manuskripts zusammengeführt wurden. Diese Szene ist zudem für die Hauptfigur der Bruch in den zweiten Akt, da sie dort auf einige Ungereimtheiten stößt und dabei bemerkt, dass auch ihr Chef in den Fall verwickelt ist und etwas zu verbergen hat. In dieser Szene beschließt Sabrina Mahrer, auch gegen ihren Chef zu ermitteln.

Tag 12: Einbruch (1252/30218 Wörter)

Am Samstag gelang mir mit Müh und Not eine frische Szene zu schreiben. Darin entdeckt Sabrinas Chef eine Rechnung über 10 Tonnen sprengstofftauglichen Düngers und lässt diese in seiner Sakkotasche verschwinden, um die Ermittlungen von seinen Ritterbrüdern fernzuhalten. Beim Ritterorden hat es einen Diebstahl aus diesem Bestand gegeben – seit geraumer Zeit fehlen davon 450 Kilo. Der Kommissar steckt in einem Dilemma. Er weiß, dass der Mörder ein Sprengstoffattentat vorhat. Wenn er diesen Hinweis offenbart, würde er jedoch zugleich die Aufmerksamkeit der Behörden auf seinen Ritteroden lenken.

Tag 13: Totalausfall (0/30218 Wörter)

Nein, das ist kein Tippfehler. Am Sonntag ging nichts mehr!

Null.

Nada.

Tag 14: Mit einer Nachtschicht wieder erfangen : (2915/33133 Wörter)

Die zweite Woche endet recht versöhnlich, indem ich zwei Szenen erfolgreich geschrieben habe. In der Nacht konnte ich zuerst Sabrina in ein Interview mit dem Radiojournalisten Norbert Fink schicken, wo sie an Hand der Fragen des Reporters auf eine neue Fährte stößt. Doch ihr Chef stört das Interview und beginnt mit der Einvernahme des Reporters. Sabrina wird zu einem Nebenschauplatz geschickt.

Zweite Woche beim Nanowrimo – Fazit

Zweite Woche beim NanowrimoBei den offiziellen Nanowrimo-Vorgaben schaut es sehr gut aus. Die verbleibende tägliche Wortzahl ist auf 973 Wörter gesunken und mit dem derzeitigen Pace werde ich den Nanowrimo in der dritten Novemberwoche  beenden.

Was ich jedoch schon bemerkt habe, ist die Tatsache, dass der Nanowrimo sehr schwierig ist, wenn man völlig frisch startet. Dass ich mein eigenes Ziel von 80.000 Wörtern erreichen werde, halte ich inzwischen für ausgeschlossen. Ich hoffe jedoch, dass ich das offizielle Ziel von 50.000 Wörtern im Zuge der dritten Woche schaffe, zumal ich die vierte Woche für ein politisches Projekt benötige.

Abgesehen von der Müdigkeit und der starken Beanspruchung geht es mir recht gut. Nun ging es in die dritte Woche und hier zeigte sich, wie wichtig eine gute Vorbereitung auf dieses Event ist.

2 Kommentare

Die Schreibwerkstatt im Rindlerwahn

Eine Schreibwerkstatt im Rindlerwahn!

Schreibwerkstatt im RindlerwahnWann wird die Diagnose Rindlerwahn gestellt? Wenn man schreibverrückt ist. So wie ich. Am Samstag, dem 05. November 2011, besuchte ich die Schreibwerkstätte in der Theatercouch Wien unter der Leitung von Ronny Rindler.

Die Veranstaltung beginnt immer mit einem Handwerkerfrühstück und dies war auch dieses Mal nicht anders. Ronny Rinder begrüßte mich freundlich und am Akzent erkannte ich, dass es sich um einen liebenswerten Vertreter aus der Käffchen-Zone (sie liegt weit im Norden Deutschlands, wo man eben auf ein Käffchen geht) handelte, den es tief in das Kaffee-Gebiet verschlagen hatte. (Dort, wo man die zwei E des Kaffees richtig zur Geltung bringt)

Die Frage nach dem Talent

Langsam trudelten die Teilnehmerinnen zur Veranstaltung ein. Als Anfängerinnen und Fortgeschrittene lauschten wir den Worten des Schreibmeisters bei Kaffee, Brot, Käse & Wurst und Orangensaft.

Dieses Mal sprach Ronny Rindler über den Genialitätsmythos und er brachte einen Aspekt darüber, der mir so noch nicht geläufig war. Oft gingen Teilnehmer an Volkshochschulkursen zu Ronny Rindler und baten ihn, die Frage der Fragen zu beantworten: Ob ihre Texte zeigten, dass deren Autoren Talent hätten. Natürlich konnte Herr Rindler diese Frage nicht beantworten, da diesbezüglich bei keinem vorliegenden Text eine Aussage möglich ist. Das Problem liegt darin, dass man in der Kunst derartige Feststellungen nicht objektiv treffen kann. Ob ein Roman  besonders gelungen, ein Musikstück wohlklingend oder ein Gemälde schön ist, liegt im Auge des Betrachters. Man kann jedoch in allen Bereichen der Kunst sehr wohl sagen, ob es zu handwerklichen Fehlern gekommen ist.

Schreiben ist Handwerk!

So lautete die Antwort auf den Genialitätsmythos und das Talentmärchen. In der Tat ist Talent nur ein Bruchteil dessen, was Schreiben ausmacht. Zum Großteil besteht erfolgreiches Schreiben aus Handwerk, Kritikfähigkeit und Selbstdisziplin.

Im theoretischen Teil nahmen wir die Grundstruktur einer Geschichte durch, wie wir sie alle von der Schule her kennen. Einleitung, Hauptteil, Schluss. Die mag banal klingen, aber es gibt viele Texte, denen es meist am Ersteren oder Letzteren fehlt. Bei Manuskripten ohne Einleitung ist der Leser sehr schnell verwirrt und weiß nicht, worum es geht. Texte ohne Hauptteil verlieren sich und langweilen, während der Leser von Schriftstücken ohne Schluss sich verarscht fühlt.

Auf die Plätze, fertig, schreibt!

nanowrimo_theatercouchNach dem theoretischen Teil kann jeder Teilnehmer seine Geschichte kurz präsentieren und dann geht es los. Richtig los. Dann wird geschrieben.

90 Minuten lang.

Ohne Unterbrechung.

Kein Tratschen, kein Fragen, kein Jammern und keine Schreibblockaden. Es wird keine Ausrede akzeptiert.

Bei mir ging es – wie nicht anders zu erwarten – um den nanowrimo. Bei mir ging es an diesem Tag nicht so toll weiter – ich hatte mehr als erwartet an einem Text zu feilen, doch die Szene konnte ich mit dem Gong am Ende der Session erfolgreich abschließen.

In der anschließenden Besprechungsrunde wurden dieses Mal keine Texte präsentiert, da die Teilnehmer dazu keine Lust hatten. Als störender Faktor kam die unmittelbar danach steigende Veranstaltung der »Free Stage« ins Spiel. Deren Teilnehmer trudelten nach und nach ein, womit unser Event auszuklingen hatte.

Fazit:

Dieses Format hat mir sehr gut gefallen und ich kann es uneingeschränkt für jeden empfehlen, der sich mit dem kreativen Schreiben auseinandersetzen will. Sei es, ob er nur für sich schreibt oder ob er so alle zwei Wochen einen Motivationsschub abholen will oder ob er sich gemeinsam mit Gleichgesinnten auf die spannende Reise zum veröffentlichten Autor gehen will.